Augustinerstraße 3 und 5

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(Weitergeleitet von Loretokapelle)

Das Gebäude

Ein Bild.

Bezirk

1., Innere Stadt

Aliasadressen
=Augustinerstraße 3 und 5
=Hofburg
Konskriptionsnummer
vor 1862: -
vor 1821: -
vor 1795: -
Baujahr
1330
Architekten (Bau)
Dietrich Ladtner von Prin
Inhaltslizenz: CC-BY-SA 4.0

Augustinerkirche und Kloster, Augustinerstöckl - Architektur und Geschichte

Eigentlich ist die äußerlich unscheinbare Kirche in den Gebäudekomplex der Hofburg integriert, sie zählt jedoch wegen ihrer Geschichte und ihrer Innenausstattung zu den bedeutendsten Kirchen Wiens.

1330 wurde sie als gotische Kirche freistehend vom bayrischen Baumeister Dietrich Ladtner von Prin erbaut, die Integration in die Hofburg erfolgt erst später. Die Stiftung des Klosters erfolgte durch Herzog Friedrich den Schönen, der angeblich, aufgrund eines Gelübdes, eine Schuld beglich.

Die Legende von Friedrich dem Schönen und dem Bau der Augustinerkirche

Der Wittelsbacher Ludwig der Bayer und der Habsburger Friedrich der Schöne stritten um die Österreichische Kaiserkrone. Der achtjährige Bürgerkrieg wurde am 28.9.1322 in der Ritterschlacht zwischen Ampfing und Mühlbach mit einem Sieg von Ludwig beendet, bei dem ihm auch die Gefangennahme von Friedrich dem Schönen gelang. Friedrich wurde in der Burg Traunitz, im obersten Raum der Burg, dem Königsgemach, drei Jahre lang (bis 1325) gefangen gehalten.

Konrad Tattendorfer, der Augustiner Prior der Münchner Eremiten, hatte sich mehrmals für Friedrich verwendet und mit ihm Freundschaft geschlossen. Er rang dem Habsburger das Versprechen ab, in unmittelbarer Nähe zur Burg eine Kirche und ein Kloster zu stiften.

Die Versöhnung und damit Entlassung von Friedrich erfolgte schlussendlich durch die Intervention des Papstes, dem Friedrich der Schöne, ebenso wie dem Augustiner Prior, versprach, das Kloster und die Kirche zu erbauen; Ludwig der Bayer musste die Versöhnungskapelle in der Burg Traunsnitz errichten.

An der damaligen Hochstraße hatten die Karthäuser ein Haus, das Friedrich ihnen abkaufte. An diese Stelle und den benachbarten Grundstücken (anstelle von fünf Häusern und einer Badestube) errichtete er nach und nach die versprochenen Gebäude und schenkte sie dem Prior Konrad, der mit 18 seiner Mönche von München nach Wien übersiedelte. Auch die Beschuhten Augustiner-Mönche eines kleinen Klosters am Werd wurden hierher übersiedelt, sodass deren ehemaliges Kloster in ein Spital umgewidmet werden konnte.

Die Kirche

Ihre Namensgebung verdankt die Kirche dem Kirchenlehrer Augustinus von Hippo (354 – 430), 1634 wurde sie zur kaiserlichen Hofpfarre erhoben, wo die Trauungen der Habsburger vollzogen wurden. Hier heirateten 1736 Maria Theresia und Franz von Lothringen, 1810 wurde in der Augustinerkirche Maria Luise mit Napoleon vermählt, hier wurden auch Marie Antoinette und der spätere König von Frankreich, Ludwig XVI. und auch Kaiser Franz Joseph I und Elisabeth (Sisi) getraut.

Östlich der Kirche lagen die Konventsgebäude mit dem Kreuzgang, die 1341 geweiht wurden, daran schlossen sich die 1368 gestiftete Leonhardskapelle und die Sigmundskapelle (1386) an. Der Ostflügel des Kreuzgangs enthielt ebenerdig das Refektorium, im Obergeschoß den Mönchsschlafraum, zwischen Südflügel und Stadtmauer lag der Klostergarten, an der Stadtmauer wurde ein kleiner Turm für Aborte errichtet (der als „Augustinerturm“ Teil der Stadtbefestigung wurde).

1354 wurde über dem Westgiebel ein Dachreiter angebracht (über Veranlassung Friedrichs III. 1477 umgestaltet und mit der „Kaiserglocke" ausgestattet). 1460 überließen die Mönche einen Teil ihres Friedhofs Friedrich III. zur Erweiterung des Hofburggeländes. 1542 wurden an der Kirche von Johann Tscherte Reparaturen durchgeführt. 1602 entstand ein neuer Glockenturm, der 1652 von Georg Gerstenbrand erhöht und mit einer barocken Zwiebelhaube bekrönt wurde. Der Hochaltar aus Sandstein war ursprünglich für die Votivkirche bestimmt gewesen, wurde aber schließlich hier aufgestellt.

Trauungskirche

Die Augustinerkirche war öfters die Trauungskirche der Habsburger:

  • 1666 heirateten Leopold I. (1640-1705) und Margarita Teresa von Spanien,
  • 1736 Maria Theresia (1717-1780) und Franz Stephan von Lothringen (1708-1765),
  • 1810 Napoleon (vertreten durch Erzherzog Carl) und Marie Luise und schließlich
  • 1854 Franz Joseph I. (1830-1916) und Elisabeth (1837-1898).

Die Begräbnisstätte

Das Grabdenkmal von Marie Christine, geschaffen von Canova

Ferdinand II. erkor die Augustinerkirche 1637 zur Begräbnisstätte der Herzen verstorbener Familienangehöriger („Herzgrüftel"), hier ruhen nun in silbernen Gefäßen die Herzen von 54 Habsburgern, beginnend mit Ferdinand II. (1637), endend mit Franz Karl 1878.

In der Kirche befinden sich zahlreiche Grabdenkmäler, wie die klassizistische Grabpyramide der Erzherzogin Marie-Christine vom Sachsen-Teschen (einer Tochter Maria Theresias und Gattin Herzog Albert Kasimirs von Sachsen-Teschen), geschaffen wurde das Monument von Antonio Canova (1798-1805).

Auch der Prediger Abraham a Santa Clara ist in der Gruft bestattet, er war Prior des Klosters.

Die Glocken von St. Augustin

Die Augustinerkirche besitzt ein 5-stimmiges Glockengeläut wovon alle Glocken im Video zu hören sind.

Tonfolge der Glocken
Glocke 5: des", Grassmayr, Innsbruck, 1993
Glocke 4: b', Grassmayr, Innsbruck, 1993
Glocke 3: as', Grassmayr, Innsbruck, 1992
Glocke 2: f', Grassmayr, Innsbruck, 1992
Glocke 1: des', Grassmayr, Innsbruck, 1982

YouTube • Wien
Das Glockengeläut der Augustinerkirche

Quelle: YouTube • Direktlink

Die Kirche im Detail

Sagen und Legenden rund um die Kirche

Die Uhr von Graf Nadásdy

Icon Sagen und Legenden.jpg

Die Uhr auf dem Turm der Kirche war ein Geschenk Franz Graf Nadásdys, der, da er gegenüber wohnte, von seinen Fenstern aus die Stunde ablesen wollte und deshalb auf seine Kosten eine Uhr anfertigen ließ. Als er bald danach, 1671, in den ungarischen Magnatenaufstand verwickelt, hingerichtet wurde, hatten die Mönche Bedenken wegen der Annahme des Geschenks. Erst viel später wurde die Uhr auf dem Turm angebracht, am 28. Februar 1713 (Augustintag) schlug sie zum ersten Mal. Zur Hinrichtung des Grafen kann man noch mehr erfahren: Kriminalfall: Graf Nadasdy

Die Sage vom Gespenst in der Augustinerkirche

Icon Sagen und Legenden.jpg

Anfang des 19. Jahrhunderts läuteten abends mehrere Buben die Glocken der Augustinerkirche, als ihnen plötzlich die drohende weiße Gestalt eines Mannes entgegenkam. Entsetzt flohen sie aus der Kirche, einer der Knaben verletzte sich dabei schwer den Fuß, drei andere erkrankten sehr.

Ausgrabungen

Ausgrabungscode Zeitliche Einordnung Beschreibung der Fundstücke
200904 römisch/Neuzeit Der in der Loretogruft der Wiener Augustinerkirche befindliche römische Altar und dessen nähere Umgebung wurden einer eingehenden Untersuchung unterzogen. Daraus ergab sich eine Aufstellung des Altars zum Zeitpunkt der Fertigstellung der Gruftanlage im 17. Jh., die auf einem aufgelassenen und planierten Bestattungshorizont errichtet wurde. Der Marmoraltar selbst wurde 210 n. Chr. von Pomponius Respectus dem Jupiter geweiht.

Wien – Eine Stadt stellt sich vor

Augustinerkirche trägt das Schild Nr. 3 der Aktion „Wien – Eine Stadt stellt sich vor“.

Tafel der Aktion „Wien – Eine Stadt stellt sich vor“ an Augustinerkirche

AUGUSTINER-
KIRCHE
Ehem. Hofpfarrkirche St. Augustin
1327
von Herzog Friedrich dem Schönen gestiftet

Kennung: 3 – Augustinerkirche

→ Mehr zur Reihe: Übersicht

→ Folge der Sehenswürdigkeit Nr. 4 - "Eine Stadt stellt sich vor": Hofburgkapelle


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Quellen