Löwelstraße 20

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Das Gebäude

Ein Bild.

Bezirk
1., Innere Stadt
Aliasadressen
=Oppolzergasse 1-3
=Löwelstraße 20
=Teinfaltstraße 8/8A-10
=Schreyvogelgasse 1
Konskriptionsnummer Stadt
vor 1862: 72, 73, 74, 75, 76, 77
vor 1847: 72, 73, 74, 75, 76, 77
vor 1821: 80, 81, 82, 83, 84, 85
vor 1795: 74, 75, 76, 77, 78, 79
Baujahr
1884-1887, Zubauten: 1914-1919
Architekten
Emil Förster, Zubauten: Alois Augenfeld
Inhaltslizenz: CC-BY-SA 4.0


Das Haus - Architektur und Geschichte

Das Haus Löwelstraße 20 gehört zu einem großen Gebäudekomplex, der mehrere Straßenfronten.[1] Errichtet wurde die Anlage zwischen 1884 und 1887 nach Plänen von Emil von Förster als Zentrale der Allgemeinen Österreichischen Bodencreditanstalt; später kamen Erweiterungen hinzu, unter anderem ein Zubau an der Löwelstraße (1915) durch Alois Augenfeld.[2][3], [4]

Nutzung

Nach der Zeit als Bankzentrale wurde das Haus in mehreren Phasen umgenutzt. Zwischen 1964 und 1997 war hier die Landesbibliothek der niederösterreichischen Landesregierung untergebracht. Seit 1998/1999 dient der Komplex als Expositur der Universitätsbibliothek Wien

Für die Nachkriegsgeschichte ist außerdem dokumentiert, dass Tresor- und Depoträume an der Löwelstraße 20 im Kontext von Bergungs- und Rückstellungsprozessen genutzt wurden (u. a. Abholungen von Kunst- und Sammlungsgut).[5]

Gedenktafel

An der Löwelstraße 20 befindet sich eine 1933 angebrachte Gedenktafel, die an den Einsatz von Handwerksmeistern und ihren Söhnen während der Türkenbelagerung 1683 erinnert.[6]

Gedenktafel Handwerksmeister, Türkenbelagerung

Handwerksmeister, Türkenbelagerung

Dem ehrenden
Gedenken der
heldenmütigen
Handwerksmeister
und ihrer Söhne,
die 1683
beim Ansturm
der Türken für
ihre Vaterstadt
Wien
und für das ehrsame
Handwerk
ihr Leben opferten.
Österreichs Gewerbe Jugend 1933.

Vorgängerhäuser

Domvogtshof und Templer

Im Mittelalter war hier der Sitz der Domvögte von Regensburg, der Hof gab der Straße auch ihren Namen (Domvogtstraße). Der 1189 erbaute Hof ging in Besitz der Templer über, die ihn 1302 mit dem Schottenstift gegen eine Backstube (Bräunerstraße 7) tauschten.

Bis 1770 stand auf einem Teil des Areal der "Klepperstall", also tatsächlich die Pferdeställe des kaiserlichen Hofs. 1862 benannte man die Auffahrtsrampe auf die Mölker Bastei danach. Als die Rampe und die Bastei abgerissen wurden, erinnerte der neu entstandene Straßenabschnitt an die Stelle: Kleppersteiggasse, sie wurde 1885 in Schreyvogelgasse umbenannt.

Das Irrenhaus

ICON Medizin in Wien.png

1833 wurde aus den Klepperställen eine Irrenanstalt. Zu verdanken war das Therese Pabst, der Witwe eines pensionierten Regimentsarztes, der 1829 mit seiner Frau von Melk nach Wien gezogen war. Nach dem ihr Mann an Cholera gestorben war, erwirkte sie beim Kaiser die Erlaubnis, die Pflege von Geisteskranken hier aufzubauen.

1848 übersiedelte die Anstalt in das ehemalige Rasumowsky-Schloss in der Erdbergstraße 5-7, nach dem Tod von Pabst übernahm Wilhelm Svetlin das Haus und verlegte die Betreuung 1884 in die Leonhardgasse 3-5, dort erinnert heute noch eine Gedenktafel daran.

Die alten Häuser im Detail

  • Haus Stadt 72 war 1438 in Besitz des Königs Albrecht II., 1798 fand sich hier die k. k. Feldkonsistorialkanzlei.
  • Haus Stadt 73 bestand ursprünglich aus drei kleinen Häusern, die im 15. Jahrhundert schon erwähnt wurden. Eines davon gehörte ab 1856 dem Bürgermeister Andreas Zelinka.
  • Haus Stadt 74 entstand aus vier winzigen Häusern, die bereits im 15. Jahrhundert erwähnt wurden. 1620 wurden die Gebäude zu einem verbaut und als Klepperstall genutzt - die "minderwertigen" Pferde des Kaisers standen also hier. Im Häuserkataster von 1795 findet sich noch die Bezeichnungen "k.k. Stallung und Kammer und k.k. Futteramt", damals handelte es sich um ein Durchhaus.
  • Haus Stadt 75 war als Haus "Zur Hollerstaude" bekannt. 1807 besaß der letzte Kammerdiener des Königs Ludwig XVI. von Frankreich, Johann Baptist Cant Honet Clery, das Gebäude, der durch die Veröffentlichung seines Tagebuchs Berühmtheit erlangt hatte. 1846 besaß der Schneider Joseph Gunkel das Haus, 1862 die Gräfin Desfours.
  • ICON Freimaurer.png
    Haus Stadt 76 wird 1716 als "de Hahsische Freihaus" erwähnt. In Österreich waren 1795 die Freimaurer verboten worden, dennoch gab es Mitglieder des Geheimbundes, die 1848 den Entschluss fassten, die 1771 gegründete Loge "Zum heiligen Josef" wieder zu beleben. Die feierliche Lichteinbringung fand 1848 in diesem Haus statt.
  • Haus Stadt 77 ist erst ab 1721 nachweisbar.

1781 kaufte Johann Graf Palffy einen Teil des Areals und erbaute ein großes Wohnhaus mit 59 Wohnungen. Angeblich soll hier kurz auch Beethoven eingemietet gewesen sein. Im 3. Stock der Anlage richtete sich der als Verschwender geltende Stadtmann Friedrich von Gentz eine Luxuswohnung ein.

Sämtliche Häuser auf dem 3.212 Quadratmeter großen Areal wurden abgebrochen, um dem heutigen Gebäude zu weichen.

Wohn- und Sterbehaus Andreas Zelinka

Icon Wohnhaus Person.png

Zelinka (*1802 in Wischau, Mähren - +1868 in Wien, Teinfaltstraße 8) war Jurist und Bürgermeister von Wien.

Zelinka hatte in Wien Jus studiert und begann seine Karriere bei der Herrschaft Conradswörth (Starhemberg'sches Freihaus auf der Wieden). Er war als Rechtsanwalt des alten Stils in der Bevölkerung sehr anerkannt, war ab 1843 Direktor der Nordbahn und wurde 1848 in den Gemeindeausschuss gewählt. Am 16.6.1861 wurde er zum Wiener Bürgermeister gewählt. Er ließ den Stadtpark anlegen, veranlasste die Vorarbeiten für die Donauregulierung, die Anlage des Zentralfriedhofes und ließ die Vorstädte eingliedern.

Nach ihm ist die Zelinkagasse im 1. Bezirk benannt.


Quellen