1300-1350: Wien im frühen 14. Jahrhundert

Aus City ABC

1300–1350: Wien im frühen 14. Jahrhundert – Konsolidierung unter den Habsburgern, urbane Verdichtung und kirchlicher Bauaufschwung; Krisenjahre um 1348/49 (Pest).

Kurzüberblick

Zeitraum: 1300–1350

Akteure: Habsburgische Herzöge (u. a. Friedrich der Schöne, Leopold I., Albrecht II., Otto der Fröhliche), Wiener Rat, Zünfte, kirchliche Institutionen

Ort: Wien

Kontext: Nach der habsburgischen Belehnung (1282) festigt sich die Landes- und Stadtverwaltung. Wien wächst als Verwaltungs‑, Handels‑ und Kirchenzentrum und erlebt zugleich überregionale Krisen (Pest 1348/49).

Hintergrund

Nach den Konflikten der späten 1200er Jahre stabilisiert sich die Herrschaft in Österreich. Die Habsburger Herzöge residieren regelmäßig in Wien; reichspolitische Auseinandersetzungen (Doppelkönigtum 1314–1325/26) berühren die Stadt, ohne ihren Aufschwung grundlegend zu bremsen.

Entwicklungen 1300–1350

Politik & Verwaltung

Stetige Einbindung der Stadt in die landesfürstliche Finanz‑ und Gerichtsorganisation (Mauten, Abgaben, Zoll‑ und Münzwesen).

Stärkung des Rates; städtische Amtsführung und Ordnungen werden konsolidiert.

Wirtschaft & Handel

Kontinuität im Donau‑ und Alpenquerhandel (u. a. Salz, Wein, Tuch, Metallwaren); Märkte und Zünfte sichern Versorgung und Qualität.

Geld‑ und Kreditwesen gewinnen an Bedeutung; Kaufleute und Handwerker erweitern ihre Netzwerke bis in Nachbarregionen.

Topografie, Bauen & Infrastruktur

Fortsetzung großmaßstäblicher Kirchen‑ und Klosterbauten, besonders an St. Stephan (frühgotische Erweiterungen, Albertinischer Chor – Weihe um die Mitte des Zeitraums).

Verbesserungen an Befestigungen, Toren und Verkehrsachsen; zunehmende Verdichtung innerhalb der Stadtmauern.

Kirche, Bildung & Sozialwesen

Zunahme von Stiftungen, Bruderschaften und Spitälern; Seelsorge und Armenfürsorge werden ausgebaut.

Schul‑ und Schreibwesen an Stiften und Pfarren tragen zur administrativen Professionalisierung bei.

Krisen & Resilienz

1348/49: Ausbruch der Pest (Schwarzer Tod) erreicht Wien; erhebliche demografische und wirtschaftliche Belastungen, danach allmähliche Erholung.

Zeittafel 1300–1350 (Auswahl)

1314–1322: Reichspolitische Konflikte (Doppelkönigtum; Schlacht bei Mühldorf 1322); Wien bleibt zentraler Habsburger‑Stützpunkt.

um 1320–1340: Baufortschritte an St. Stephan (frühgotischer Ausbau; Chorarbeiten).

1330er: Konsolidierung der herzoglichen Verwaltung unter Albrecht II. und Otto; enge Verzahnung mit dem Wiener Rat.

1348/49: Pestjahre mit tiefen Einschnitten; danach Wiederbelebung von Bau‑ und Gewerbewesen.

Bedeutung für Wien

Die ersten fünf Jahrzehnte des 14. Jahrhunderts festigen Wiens Rolle als politisches und wirtschaftliches Zentrum der österreichischen Länder. Trotz externer Krisen bildet sich eine belastbare städtische Infrastruktur heraus – Grundlage für den weiteren Aufstieg bis zur Universitätsgründung in der zweiten Jahrhunderthälfte.

Siehe auch

Wien im 14. Jahrhundert

Habsburger

Stephansdom

Albrecht II. (Herzog von Österreich)

Pest