Ballhausplatz
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Namensgebung und Geschichte
1786 wird der Ballhausplatz erstmals so genannt – nach den verschiedenen Ballhäusern, die hier standen, das erste war das Hofballhaus von 1525 hinter dem Cillierhof (die heutige Amalienburg).
Erbaut wurden die Ballhäuser eigentlich als Ersatz für Turniere und Lanzenstechen. Nachdem das Ballhaus im Rahmen des Stadtbrandes vom 18./19. Juli 1925 abbrannte, wurde am Michaelerplatz ein neues erbaut. Als dieses dem Theater weichen musste, kam es 1741 auf das Areal der heutigen Hofreitschule, 1746 aber wieder auf das ursprüngliche Areal. Es stand nun gegenüber der Geheimen Hofkanzlei, im Hof des 1650 erbauten Hofspitals (Kaiserspital). Als das Spital 1754 auf den Rennweg verlegt wurde, und das Gebäude Im Bereich der Schauflergasse abgerissen wurde, blieb das Ballhaus frei sichtbar stehen, wurde jedoch kaum mehr genutzt und damit sukzessive durch Abteilungen des Hofbauamtes belegt.
Einige Zeit lang wurde es für das Konservatorium von Gottfried Preyer genutzt, das Handelsministerium mietete hier das Telegrapheninstitut ein (1858), 7 Jahre lang waren die Sammlungen des Kunstgewerbemuseums hier verortet und danach das Baubüro von Semper und Hasenauer zum Bau der beiden Museen. 1890 wurde es schließlich abgerissen.
Der freie Raum, der dadurch entstand, verband nun den Ballhausplatz mit dem Minoritenplatz, der ehemals dominante Schwibbogen, der die Schauflergasse überspannte, verschwand.
Kurz hieß der Platz Revolutionsplatz (nach der Revolution 1848).
Verschwundene Häuser
Einst stand hier das Haus Stadt 21 (1346 bzw 28), das um 1790 der Kongregation der italienischen Nation gehörte. Es hatte die Ludwigskapelle der Minoriten ersetzt, die für ihre Pfeiler und hohen Spitzbogenfenster bekannt war. 1784 wurde sie abgerissen, mit ihr verschwand ein prächtiges Grabdenkmal der Herzogin Blanka (gestorben 1305), der Tochter des Königs Philipp IV. von Frankreich und Gemahlin des Herzogs Rudolf III.. [2]
Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz (Deserteursdenkmal)
- Ballhausplatz – Deserteursdenkmal
Das Deserteursdenkmal erinnert an Deserteure und weitere von der NS-Militärjustiz verfolgte Menschen. Die dreistufige Skulptur in Form eines liegenden X wurde am 24. Oktober 2014 am Ballhausplatz eröffnet; Auftraggeberin war die Stadt Wien, umgesetzt durch »Kunst im öffentlichen Raum Wien« (KÖR). In die oberste Stufe ist die nur von oben lesbare Wortfigur all alone eingelassen – eine Umsetzung eines Gedichts von Ian Hamilton Finlay.[3][4][5]
| Steckbrief | |
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| Datierung / Enthüllung | 24. Oktober 2014[6] |
| Künstler | Olaf Nicolai (Konzept); Text: Ian Hamilton Finlay |
| Material | Beton, leicht bläulich pigmentiert |
| Standort (genau) | 1010 Wien, Ballhausplatz (zwischen Bundeskanzleramt und Präsidentschaftskanzlei; Nähe Heldenplatz) |
| Maße | ca. 10 × 8,8 m; Höhe ~1,65 m[7] |
- all alone (32× »all«, 1× »alone«), nur von oben lesbar[8]
Die Häuser des Platzes
- Ballhausplatz 1-3, Amalienburg
- Ballhausplatz 2, Bundeskanzleramt
Praktische Hinweise
- Erreichbarkeit
- U3 Herrengasse (Ausgang Minoritenplatz) in wenigen Gehminuten über Herrengasse und Minoritenplatz; alternativ U2 Schottentor (Fußweg über Schottengasse und Minoritenplatz) oder U1/U4 Schwedenplatz mit kurzem Weg durch das Regierungsviertel. Straßenbahnlinien 1, 2, D und 71 am Ring (Stationen Burgtheater bzw. Parlament/Volkstheater); Citybuslinien 1A und 2A mit Haltestellen in der Herrengasse und am Michaelerplatz. Keine ÖV-Linien direkt am Platz, Zufahrt nur für Berechtigte.
- Besichtigungstipps
- Blick auf das Bundeskanzleramt (Ballhausplatz 2) und die zur Hofburg gehörenden Trakte an der Platzkante; kurze Wege zum Heldenplatz mit Neue Burg und Denkmälern; Abstecher zur Minoritenkirche und weiter ins Regierungsviertel um Löwelstraße und Dr.-Ignaz-Seipel-Platz. Ballhausplatz ist ein klassischer Ort für politische Kundgebungen und ein guter Ausgangspunkt für Spaziergänge zu österreichischer Zeitgeschichte.
| Ballhausplatz – Überblick |
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Quellen
- ↑ Datenquelle: Stadt Wien - data.wien.gv.at
- ↑ Carl August Schimmer: Ausführliche Häuser-Chronik der innern Stadt Wien, mit einer geschichtlichen Uebersicht sämmtlicher Vorstädte und ihrer merkwürdigsten Gebäude, Kuppitsch, 1849, S. 16
- ↑ Wien Geschichte Wiki: »Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz«.
- ↑ Haus der Geschichte Österreich (hdgö): Eintrag zum Denkmal, 2014.
- ↑ KÖR Wien: Projekt/Wettbewerb zum Deserteursdenkmal.
- ↑ hdgö; Projektseiten deserteursdenkmal.at.
- ↑ Wikipedia/de (Objektmaße); Ergänzend »denk mal wien«.
- ↑ Wikipedia/en/de – Werkinfo.