Bastiengasse 36-38

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Bastiengasse 36-38

Ein Bild.

Bezirk
18., Währing (Gersthof)
Aliasadressen
=Bastiengasse 36-38
Baujahr
1908–1910
Erstnutzung
Niederösterreichisches Landes-Zentralkinderheim (Findelanstalt)[1]
Spätere Nutzung
Semmelweis-Frauenklinik (1943–2019)[2]
Architekten
Franz Berger (Landesbaudirektor, Niederösterreich)[3]
Karl Otto Limbach; Max Haupt
Inhaltslizenz: CC-BY-SA 4.0


Semmelweis Frauenklinik - Architektur und Geschichte

Bastiengasse 36-38 ist ein denkmalgeschütztes Pavillonensemble im Bezirksteil Gersthof im 18. Bezirk. Errichtet wurde das Ensemble aus sechs fünfgeschoßigen Pavillons in einer Parkanlage 1908–1910 als Niederösterreichisches Landes-Zentralkinderheim; ab 1943 prägte vor allem die Semmelweis Frauenklinik den Ort, die bis 2019 hier geführt wurde.[4]

Die Semmelweis Frauenklinik wurde zwischen 1908 und 1910 durch Franz Berger erbaut (früher NÖ Landeszentralkinderheim, dann Zentralkinderheim der Stadt Wien).[5]

Charakteristisch für das Spital sind die schlichte, funktional wirkende Jahrhundertwende-Architektur und Details, die an die Wiener Secession erinnern, darunter das Gitterportal mit dem niederösterreichischen Wappen. Zum Ensemble gehören auch Erinnerungszeichen im Außenraum, darunter ein Denkmal Kaiser Franz Josephs I. (Georg Leisek, 1910), es befand sich bis 1936 im Pflegeheim Lainz; sowie eine Semmelweis-Büste auf einem Kantpfeiler (Rudolf Schmidt, 1944).

Das Areal steht unter Denkmalschutz und liegt in einer von der Stadt Wien ausgewiesenen baulichen Schutzzone.[6]

Nutzungsgeschichte

Niederösterreichisches Landes-Zentralkinderheim

Das Ensemble wurde im Auftrag der niederösterreichischen Landesverwaltung als moderne Kinderschutz- und Fürsorgeeinrichtung geplant, um ältere Strukturen der Findel- und Säuglingsfürsorge zu ersetzen. Die Grundsteinlegung fand 1908 im Beisein Kaiser Franz Josephs I. statt; vorgesehen waren mehrere Pavillons mit Aufnahme- und Untersuchungsräumen, Verwaltung sowie ergänzenden Funktionsbereichen.

In der Zwischenkriegszeit ist der Komplex auch als Zentral-Kinderheim der Stadt Wien greifbar; Bildquellen aus den 1920er-Jahren dokumentieren den institutionellen Alltag ebenso wie frühe Hygienepraktiken im Umgang mit Kindern.[7]

Semmelweis-Frauenklinik

1943 wurde in zunächst zwei Pavillons eine Frauenklinik eingerichtet, die später nach Ignaz Semmelweis benannt wurde. Die Semmelweis-Frauenklinik wurde in der Wiener Krankenhauslandschaft zu einem bekannten Ort der Geburtshilfe und Gynäkologie; organisatorisch war sie später Teil des Krankenanstaltenverbunds (damals: KAV) und wurde 2002 in die städtische Krankenanstalt Rudolfstiftung (heute: Klinik Landstraße) eingegliedert.

Schließung und Übersiedlung 2019

Im Zuge der Neuordnung der Wiener Spitalslandschaft wurde die Semmelweis Frauenklinik am 31.5.2019 geschlossen. Die Übersiedlung der Belegschaft und der Betrieb wurden in Richtung der neu errichteten Klinik Floridsdorf (KH Nord) verlagert; Medienberichte betonten dabei den Einschnitt nach Jahrzehnten Klinikgeschichte.[8] Der Wiener Gesundheitsverbund dokumentierte den Betriebsstart am neuen Standort und den damit verbundenen Übersiedlungszeitplan.[9]

Nachnutzung: Semmelweis-Areal

Nach der Schließung wurde die Liegenschaft schrittweise neuen Nutzungen zugeführt. Ein Teil des Areals wird seit den 2010er-Jahren durch die AMADEUS International School genutzt; die Schule beschreibt das Ensemble ausdrücklich als ehemaligen Klinikstandort und hebt den historischen Charakter der Pavillons hervor.[10] Parallel dazu sind Um- und Ausbauprojekte angelaufen, die das Semmelweisareal stärker als Bildungsstandort weiterentwickeln sollen; die BIG weist dafür Projektphasen, Investitionsvolumen und Planung aus.[11]

Die Privatisierung der drei Pavillons durch die Stadt im Jahr 2012 hat für Aufregung gesorgt. Der Kaufpreis betrug 14,2 Millionen Euro. Die Oppositionsparteien FPÖ und NEOS kritisierten den Verkaufspreis als zu niedrig und unterstelten eine Nähe des Käufers zur regierenden SPÖ.

Auch kulturelle Zwischennutzungen haben den Ort sichtbar gemacht. So fand 2021 die Kunstmesse PARALLEL VIENNA am Gelände der ehemaligen Semmelweis Frauenklinik statt und nutzte die Pavillons als Ausstellungs- und Produktionsräume.[12] Aus Investorensicht wird das Areal zudem als Ensemble historischer Bestandsgebäude beschrieben, deren Umnutzung und Sanierung sich über mehrere Pavillons erstreckt.[13]

Alte Ansichten

Filmdokumente

Filmdokument: Zentralkinderheim der Gemeinde Wien

Zentralkinderheim der Gemeinde Wien

Das Stadt- und Landesarchiv zeigt ein Filmdokument über as Zentralkinderheim der Stadt Wien aus dem Jahr 1962.

▶︎ Film ansehen auf media wien
Quelle: Wiener Stadt- und Landesarchiv / media wien


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Quellen