Bellariapassage

Aus City ABC

Bellariapassage (1., Innere Stadt)

Bellariapassage

Bezirk
1., Innere Stadt
Art
Fußgänger- und Geschäftspassage unter dem Dr.-Karl-Renner-Ring
Lage
unter dem Ringabschnitt zwischen Bellariastraße/Burgring und Hansenstraße beim Knoten Volkstheater (Übergang zum 7. Bezirk)
Eröffnung
14. Juli 1961[1][2]
Umbau/Wiedereröffnung
11. Oktober 1989 im Zuge des U3-Baus[3]
Verknüpfungen
U-Bahn-Station Volkstheater (Linien U2, U3); Straßenbahnlinien 1, 2, D, 71, 46, 49; Buslinie 48A (Stationen rund um Ring und Zweierlinie)[4][5]
Vorherige Bezeichnungen
keine – Neubau des 20. Jahrhunderts


Namensgebung und Geschichte

Die Bellariapassage ist nach der unmittelbar benachbarten Bellariastraße benannt, die wiederum 1869 ihren Namen von der ehemaligen Hofburg-Vorlage Bellaria erhalten hatte; über dieses Plateau konnten Kutschen direkt zu den kaiserlichen Wohnräumen vorfahren. Der Name der Passage knüpft damit bewusst an den historischen Hofburg-Bezug und an die Ringstraßenadresse an.

Nach der Eröffnung der Opernpassage 1955 setzte die Stadt Wien der damaligen Verkehrspolitik folgend auf weitere Fußgängerunterführungen, um die Ringstraße für den Autoverkehr leistungsfähiger zu machen und Kreuzungen zu entflechten. Am 14. Juli 1961 wurde die unter dem Dr.-Karl-Renner-Ring angelegte Bellariapassage eröffnet; sie ermöglichte eine niveaugetrennte Querung zwischen Ring, Bellariastraße und den Straßenbahnhaltestellen beim Volkstheater und sollte so den Fußgänger- vom Oberflächenverkehr trennen.[6]

In den 1960er-Jahren entstand zunächst die unterirdische Straßenbahnstation Burggasse der sogenannten Unterpflasterstraßenbahn (Ustrab) unter der Zweierlinie; sie war räumlich von der Bellariapassage getrennt, wurde aber bereits als Vorleistung für eine künftige U-Bahn-Station betrachtet. Mit dem Ausbau der Linien U2 (Eröffnung der Station Volkstheater 1980) und U3 (Eröffnung 1991) wurde die bestehende Passage in den neu entstehenden Kreuzungsbahnhof einbezogen und zur zentralen Verteilerebene zwischen Ring, Straßenbahn und U-Bahn umgebaut.

Nach viereinhalb Jahren Bauzeit für die U3-Station Volkstheater wurde die umgebaute Bellariapassage am 11. Oktober 1989 in ihrer heutigen Form mit drei Aufgängen (Stadtschulrat/Bellariastraße, Museen/Palais Epstein, Volksgarten) feierlich wiedereröffnet. Sie verfügt seither über rund 510 Quadratmeter Fläche und ist übersichtlich an die oberirdischen Haltestellen angebunden.[7]

Lage und Funktion

Die Bellariapassage verläuft quer unter dem Dr.-Karl-Renner-Ring bzw. Burgring zwischen dem Bereich vor dem Naturhistorischen Museum (Haltestellen der Linien 46, 49 und 48A) und der Innenseite des Rings in Richtung Volksgarten und Heldenplatz. Sie liegt etwa auf halbem Weg zwischen den Kreuzungen Burgring/Bellariastraße und Dr.-Karl-Renner-Ring/Schmerlingplatz und bildet einen der wichtigsten unterirdischen Übergänge zwischen Ringstraße und Zweierlinie im Museums- und Regierungsviertel.[8][9]

Funktional ist die Passage heute vor allem Verteilerraum: Sie verbindet die Ringstraßenbahnlinien D, 1, 2 und 71 sowie die Endstelle der Linien 46 und 49 und der Buslinie 48A an der Bellariastraße mit den Zugängen zur U-Bahn-Station Volkstheater (U2, U3). Gleichzeitig ermöglicht sie eine sichere Querung des stark befahrenen Ring-Abschnitts für Fußgängerinnen und Fußgänger, unabhängig von Ampelphasen und Oberflächenquerungen.[10][11]

Die Passage im U-Bahn-Knoten Volkstheater

Mit dem Ausbau der U-Bahn wurde die Bellariapassage schrittweise Teil eines dreigeschoßigen Kreuzungsbauwerks: Oberhalb liegt der Ring mit Straßenbahn- und Busverkehr, in der Mitte die Passage als Verteilerebene, darunter die U-Bahn-Bahnsteige (U2 auf der Ebene der ehemaligen Ustrab, U3 nochmals tiefer assoziiert mit der Bellariastraße). Die 1989 wiedereröffnete Passage wurde so gestaltet, dass sie einerseits kurze Wege zu allen Aufgängen und zum U-Bahn-Bereich bietet, andererseits aber auch Raum für kleinere Geschäfte und Serviceeinrichtungen bereithält. Die Presseunterlagen zur Wiedereröffnung nennen unter anderem eine Anker-Filiale, eine Trafik und ein Jugend-Info-Zentrum; ergänzend kamen betriebliche Räume der Wiener Verkehrsbetriebe, Telefonzellen und technische Infrastruktur hinzu.[12]

Über Treppen, Rolltreppen und Lifte besteht eine barrierearme Verbindung zwischen Straßenebene, Passage und U-Bahn-Station. Vom U3-Bahnsteig aus sind außerdem die großflächigen Mosaiken Anton Lehmdens (Glasfries Das Werden der Natur) sichtbar, die zu den bekanntesten Kunstwerken im Wiener U-Bahn-Netz zählen, auch wenn sie streng genommen nicht Teil der Passage, sondern der Bahnsteighalle sind.[13]

Ausstattung und Nutzung

Die Bellariapassage ist als funktionaler, weitgehend schnörkelloser Fußgängerraum angelegt: Relativ niedrige Decken, klare Sichtachsen, großflächige Fliesen- und Putzoberflächen sowie die Beschilderung der Wiener Linien bestimmen das Bild. Geschäftsflächen sind entlang der Seiten angeordnet; sie werden für Gastronomie im Kleinformat, Trafiken und Servicebetriebe genutzt (etwa Bankomaten und Informationsstellen).[14][15][16]

Im Alltagsbetrieb wird die Passage stark von Umsteigerinnen und Umsteigern zwischen Straßenbahn, Bus und U-Bahn genutzt, ebenso von Besucherinnen und Besuchern der umliegenden Museen (Natur- und Kunsthistorisches Museum, MuseumsQuartier) und des Volkstheaters. Zu Randzeiten und nachts ist sie deutlich schwächer frequentiert und wird im Rahmen der allgemeinen Sicherheitsmaßnahmen der Wiener Linien überwacht.

Praktische Hinweise

Erreichbarkeit
Am einfachsten über die Stationen Volkstheater (U2, U3) oder die Straßenbahnhaltestellen und die Endstellen der Linien 46, 49 und 48A an der Bellariastraße. Zugänge zur Passage bestehen sowohl auf der Museumsseite (Naturhistorisches Museum/Palais Epstein) als auch auf der Volksgartenseite des Rings.
Umsteigebeziehungen
Direkte, witterungsgeschützte Verbindungen zwischen U2, U3 und den Ringstraßenbahnlinien D, 1, 2, 71 sowie den Linien 46, 49 und 48A an der Bellariaschleife; die Passage fungiert hier als zentrale Verteilerebene des Knotens Volkstheater.
Besichtigungstipps
Als Teil eines Rundgangs durch das Ringstraßen- und Museumsviertel lässt sich die Passage gut mit einem Besuch im Naturhistorischen Museum, im Volksgarten oder im Volkstheater verbinden. Wer sich für U-Bahn-Architektur und Kunst im öffentlichen Verkehr interessiert, kann die Passage mit einem Blick auf das Mosaik "Das Werden der Natur" von Anton Lehmden in der U3-Station kombinieren.
Bellariapassage – Überblick
Benennung
nach der angrenzenden Bellariastraße (und damit mittelbar nach dem ehemaligen Hofburg-Vorbau Bellaria).
Anlage
Fußgänger- und Geschäftspassage unter dem Dr.-Karl-Renner-Ring/Burgring beim Knoten Volkstheater; 1961 als zweite große Ring-Unterführung nach der Opernpassage eröffnet, 1989 im Zuge des U3-Baus neu gestaltet.
Lage/Charakter
kompakter, eher funktionaler Untergrundraum mit klarer Verteilfunktion zwischen Ring, Bellariastraße, Volksgarten und den Einstiegen zur U-Bahn; stark vom Umsteigeverkehr geprägt.
Prägende Elemente
Verbindungen zu den Ringstraßenbahnlinien und zur Bellariaschleife, Zugänge zum U-Bahnhof Volkstheater, Aufgänge Richtung Volksgarten und Museen; Geschäftslokale und Serviceeinrichtungen entlang der Passage.
Kultur
Teil des Museums- und Regierungsviertels rund um Heldenplatz, Volksgarten, Naturhistorisches Museum und MuseumsQuartier; im weiteren Sinn eingebunden in das Netz der Wiener Fußgängerunterführungen (Opernpassage, Westpassagen etc.) und in die Geschichte der U-Bahn-Kunst in Wien.
Aktuell diskutiert
Nutzung und Bespielung der Geschäftsflächen, Sicherheit und Aufenthaltsqualität im Untergrundraum sowie die künftige Rolle der Passage im Rahmen von Umbauten und Anpassungen des Knotens Volkstheater (insbesondere im Zusammenhang mit U2-/U3-Betrieb und Ring-Verkehr).


Quellen