Bisamberg

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Bisamberg
Bisamberg aus der Ferne.jpg
Lage 21., FloridsdorfGrenze Wien / Niederösterreich; südliche Ausläufer bis in den 21. Bezirk (Stammersdorf, Strebersdorf)
Typ Erholungsgebiet / Berg- und Weinlandschaft am Nordrand Wiens
Höhe 358 m[1]<
Schutz Wiener Teil: Wald- und Wiesengürtel, Landschaftsschutzgebiet, Natura 2000

Niederösterreich: Europaschutzgebiet (Natura 2000)

Bekannt für Trockenrasen und pannonische Lebensräume, Orchideenreichtum, Weinberge und Ausblicke auf Wien


Bisamberg

Der Bisamberg ist eine markante, 358 Meter hohe Erhebung am nördlichen Stadtrand Wiens. Seine Hänge verbinden die pannonisch geprägten Weinlandschaften des Weinviertels mit den nördlichen Wiener Randgebieten und bilden – zusammen mit Donau und Leopoldsberg – die sogenannte "Wiener Pforte", die den Bisamberg vom Wienerwald trennt.[2]

Lage und Charakter

Der Bisamberg liegt großteils in Niederösterreich (Bezirk Korneuburg), seine südlichen Ausläufer reichen jedoch bis nach Floridsdorf (21. Bezirk), insbesondere in die Bereiche rund um Stammersdorf und Strebersdorf. Für Wien ist der Bisamberg vor allem als Naherholungsgebiet wichtig: ein Landschaftsmosaik aus Weingärten, Trockenrasen, Waldsäumen und Wegen, das rasch aus der Stadt erreichbar ist.[3]

Natur und Schutzgebiete

Der Wiener Teil des Bisambergs ist seit den 1960er-Jahren als Schutzgebiet des Wald- und Wiesengürtels gewidmet und seit 1985 Landschaftsschutzgebiet; er zählt außerdem zu den Natura-2000-Gebieten Wiens.[4] Naturschutzfachlich prägen vor allem Trockenrasen, pannonische Waldgesellschaften und wärmeliebende Arten den Berg. In städtischen Veröffentlichungen werden unter anderem Orchideen sowie seltene Insektenarten als typische „Schutzgüter“ genannt.[5]

Auf niederösterreichischer Seite ist der Bisamberg als Europaschutzgebiet (Natura 2000) ausgewiesen; Broschüren und Managementunterlagen betonen die orchideenreichen Trockenrasen und die hohe Bedeutung der extensiven Nutzung und Pflege, damit Offenflächen nicht verbuschen.[6][7] [8]

Weinbau und Ausblicke

Die Südhänge des Bisambergs sind eng mit der Wiener und niederösterreichischen Weinkultur verbunden. Wege führen durch Weingärten und zu Aussichtspunkten, von denen sich bei klarer Sicht die Wiener Skyline, das Donautal und die Nachbarorte überblicken lassen. Als klassisches Ausflugsziel werden etwa die Elisabethhöhe sowie Weinbergabschnitte rund um den Magdalenenhof genannt, der auch als Stempelstelle am Stadtwanderweg dient.[9][10]

Stadtwanderweg 5 und Wege über den Berg

Vertiefende Informationen: StadtwanderwegeEichendorff-GedenksteinAm Bisamberg

Der Bisamberg ist das Thema des Wiener Stadtwanderwegs 5. Start und Ziel liegen bei der Endstation der Straßenbahnlinie 31 in Stammersdorf; die offizielle Beschreibung nennt eine Strecke von 10,3 Kilometern und eine Gehzeit von etwa 3 bis 4 Stunden.[11] Die Route führt – in der von der Stadt veröffentlichten Reihenfolge – unter anderem über Senderstraßengraben und Senderstraße, über den Unteren Senderrundweg und den Oberen Klausgrabenweg zum Magdalenenhof (Stempelstelle) und weiter Richtung Eichendorfhöhe, Falkenberg und zurück nach Stammersdorf.[12]

Geschichten, Orte und Besonderheiten

Schanzen und Schützengräben (1866)

Während der Kriegsvorbereitungen des Jahres 1866 wurden am Bisamberg Schanzen angelegt. Reste dieser Anlagen sind im Gelände noch nachvollziehbar; die Stadt Wien beschreibt sie als „Stammersdorfer Alte Schanzen“ und verknüpft sie heute mit Themenwegen und dem Schanzenrundweg im Naherholungsgebiet.[13][14]

Brückenkopf Wien und Befestigungen ab 1914

Im Ersten Weltkrieg wurde der Bisamberg in den Ausbau des „Brückenkopf Wien“ einbezogen. Für die Kriegsjahre ist die Verstärkung der Befestigungsanlagen am Bisamberg als Teil dieses Verteidigungssystems belegt; in Überblicksdarstellungen zur Wiener Kriegsgeschichte wird der Ausbau der Bisamberg-Stellungen ausdrücklich genannt.[15] In diesem Kontext steht auch der Name Heinrich Fath, der als Kommandeur des Brückenkopfs mit dem Ausbau der Stellungen am Bisamberg in Verbindung gebracht wird.[16]

Fath-Höhe, Heldendenkmal und Eichendorff-Gedenkstein

Auf der nach Heinrich Fath benannten Anhöhe wurde während des Ersten Weltkriegs ein Heldendenkmal errichtet, das später – nach Verfall und Umgestaltung – 1957 als Eichendorff-Gedenkstein neu gestaltet wurde.

Florian Berndl und die „Einsiedelei“ am Bisamberg

Mit dem Bisamberg ist auch der Naturheilkundler Florian Berndl verbunden, der in mehreren Darstellungen als zeitweiliger „Einsiedler“ am Berg beschrieben wird. Eine historische Rathauskorrespondenz nennt Berndl als Initiator des späteren Gänsehäufelbads und hält fest, dass er am Bisamberg als Einsiedler lebte und 1934 verstarb.[17]

Sender Bisamberg

Eine weithin sichtbare technische „Landmarke“ war lange Zeit der 130 Meter hohe Sender Bisamberg.

Am 28. Mai 1933 ging der Großsender der damaligen RAVAG am Bisamberg in Betrieb und prägte über Jahrzehnte das Bild der Gegend. Der Sender wurde gegen Kriegsende zerstört; nach dem Krieg kam es zu einem provisorischen Wiederaufbau. Ab 15. März 1950 wurde wieder Mittelwellenbetrieb aufgenommen, bevor ab 1959 die spätere Großanlage mit hohen Sendemasten folgte.[18][19]

Luftverteidigung und Luftwaffenhelfer (Zweiter Weltkrieg)

Für die Kriegsjahre wird im Umfeld des Bisambergs auch auf Stellungen der Luftverteidigung verwiesen. Archivalische Schriftstücke aus dem Schulbereich dokumentieren, dass 1943 Schüler als Luftwaffenhelfer am Bisamberg eingesetzt wurden; lokale Erinnerungszeichen nennen die Elisabethhöhe als einen solchen Bezugspunkt.[20][21]

Bevölkerungsentwicklung am Bisamberg [22]

Jahr Häuser Einwohner
1869 90 656
1880 109 787
1900 140 973
1910 214 1408
1923 267 1570
1934 310 1490

Alte Ansichten

Quellen

  1. https://www.wien.gv.at/stadtplanung/landschaftsraeume-bisamberg
  2. https://www.wien.gv.at/stadtplanung/landschaftsraeume-bisamberg
  3. https://www.wien.gv.at/freizeit/naherholungsgebiet-bisamberg
  4. https://www.wien.gv.at/stadtplanung/landschaftsraeume-bisamberg
  5. https://presse.wien.gv.at/2008/09/10/stadt-wien-aktiv-fuer-europaschutzgebiet-bisamberg
  6. https://www.noe.gv.at/noe/Naturschutz/broschuere_15_bisamberg_2.pdf
  7. https://www.noe.gv.at/noe/Naturschutz/5_15_Managementplan_Bisamberg.pdf
  8. https://www.naturland-noe.at/pflegekonzept-fuer-trockenrasen-im-natura-2000-gebiet-bisamberg
  9. https://www.wien.gv.at/freizeit/naherholungsgebiet-bisamberg
  10. https://www.wien.gv.at/freizeit/stadtwanderweg5
  11. https://www.wien.gv.at/english/leisure/hiking/path5.html
  12. https://www.wien.gv.at/freizeit/stadtwanderweg5
  13. https://www.wien.gv.at/freizeit/naherholungsgebiet-bisamberg
  14. Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Bd. 2., Kremayr & Scheriau, Wien 1992, S. 389
  15. https://ww1.habsburger.net/de/kapitel/umbauen-fuer-den-krieg-die-baracken-und-lazarettstadt-wien
  16. https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Fath
  17. https://presse.wien.gv.at/historische-rk/1956/-/asset_publisher/wlyuW1CMwd9x/content/mai-1956
  18. https://www.diepresse.com/538825/bisamberg-oesterreichs-hoechstes-bauwerk-faellt
  19. https://oe1.orf.at/artikel/644875/Sendestation-Bisamberg
  20. https://akg-wien.at/wp-content/uploads/2023/09/10.3.1.-Erlaesse-und-Schriftverkehr-mit-der-Abt.II-Feb.1940-Jaen.1944.pdf
  21. https://www.noe-3d.at/bisamberg_mahnmal.php
  22. Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Bd. 2., Kremayr & Scheriau, Wien 1992, S. 389