Davidgasse 76-80
- Bezirk
- 10., Favoriten
- Aliasadressen
- =Davidgasse 76-80
- =Belgradplatz 6-8
- =Gußriegelstraße 5-9 und 11-13
- =Buchengasse 147-151
- =Rotenhofgasse 83-87 und
- =Rotenhofgasse 86-88
- =Malborghetgasse 6-12[1]
- Bauzeit
- 1953-1956[2][3]
- Wohnungen
- über 400 Wohnungen in mehreren sechsgeschoßigen Baublöcken[4][5][6]
- Architekten (Bau)
- Harald Bauer; Josef (Jaroslav) Bayer; Siegfried Mörth; Rudolf Karl Peschel; Ferdinand Riedl; Fritz Slama[7][8]
Der Anna-Boschek-Hof – Lage und Anlage
Der Anna-Boschek-Hof ist eine großzügige Wohnhausanlage im Triesterviertel in Favoriten. Sie liegt südlich des Belgradplatzes und nimmt den Block zwischen Davidgasse, Gußriegelstraße, Buchengasse, Rotenhofgasse und Malborghetgasse ein. Die Anlage wurde in den Jahren 1953 bis 1956 auf einem zuvor unbebauten Grundstück errichtet und gehört damit zu den frühen, groß dimensionierten Gemeindebauten der Nachkriegszeit.[9][10] [11]
Mehrere sechsstockige Baublöcke sind so zueinander angeordnet, dass zwischen den Häusern in den Innenbereichen Grünflächen entstehen. Die längere Front zur Gußriegelstraße und zur Davidgasse bildet eine weitgehend geschlossene Straßenkante, während hofseitig Freiräume, Spielplätze und Aufenthaltsbereiche für die Bewohnerinnen und Bewohner zur Verfügung stehen. Die Anlage umfasst 419 Wohnungen und gehört damit zu den größeren Gemeindebauten im 10. Bezirk.[12][13]
Baugeschichte und Architektur der 1950er-Jahre
Der Bau des späteren Anna-Boschek-Hofs fällt in eine Phase, in der der kommunale Wohnbau nach dem Zweiten Weltkrieg wieder das Niveau der Zwischenkriegszeit erreichte. Die Wohnungsnot war groß, viele Familien lebten beengt oder in Behelfsquartieren, und ein Schwerpunkt der Stadt lag auf der raschen Schaffung von modern ausgestatteten Kleinwohnungen. In den 1950er-Jahren wurde unter dem Schlagwort sozialer Städtebau die Trennung von Wohn- und Gewerbebereichen angestrebt, gleichzeitig sollten aufgelockerte, durchgrünte Wohnanlagen entstehen.[14]
Die Wohnhausanlage an der Davidgasse wurde von einem Architektenteam geplant: Harald Bauer, Josef (Jaroslav) Bayer, Siegfried Mörth, Rudolf Karl Peschel, Ferdinand Riedl und Fritz Slama entwarfen eine sachliche, funktionale Anlage mit mehreren sechsgeschossigen Baublöcken. Einfache Putzfassaden, lange Fensterbänder und zurückhaltende Gliederungen entsprechen der typischen Formsprache des kommunalen Wohnbaus der 1950er-Jahre; dekorative Elemente konzentrieren sich auf Eingangsbereiche, Stiegenhäuser und Kunst-am-Bau-Objekte.[15][16]
Wie bei vielen Gemeindebauten dieser Zeit war die Ausstattung der Wohnungen im Vergleich zur Vorkriegszeit verbessert. Bäder, WCs in der Wohnung und zeitgemäße Küchen wurden zum Standard, und die Hofbereiche boten Platz für gemeinschaftliche Nutzung, für Kinder und für Begegnung. Der Hof schließt damit räumlich wie sozial an die Tradition des Roten Wien an, setzt diese aber in einer nüchternen, an der Nachkriegsökonomie orientierten Architektur fort.[17]
Benennung nach Anna Boschek
Die Wohnhausanlage trug zunächst nur ihre Adressenbezeichnung Davidgasse 76-80 beziehungsweise die weiteren Straßennamen. Im Mai 2010 wurde der Gemeindebau offiziell nach Anna Boschek benannt, einer Pionierin der österreichischen Arbeiterinnen- und Gewerkschaftsbewegung. Bei einer Feier im Hof, vor dem Spielplatz bei Stiege 9, erläuterten Vertreterinnen der Stadt und des Bezirks die Hintergründe der Benennung.[18][19]
Anna Boschek wurde 1874 in Wien geboren und musste ihre Schulbildung bereits im Kindesalter abbrechen, um zum Familieneinkommen beizutragen. Sie arbeitete als Heimarbeiterin und Fabriksarbeiterin, trat 1891 der Sozialdemokratie bei und zählte bald zu den profiliertesten Vertreterinnen der Arbeiterinnenbewegung. 1919 wurde sie eine der ersten weiblichen Abgeordneten im österreichischen Parlament und engagierte sich besonders für Arbeitszeitverkürzung, Arbeitsschutz, das Hausgehilfinnengesetz und den Aufbau der Arbeiterkammern.[20][21]
Nach 1945 blieb sie trotz ihres hohen Alters politisch aktiv und nahm bis in die 1950er-Jahre an Schulungskursen, Frauen- und Gewerkschaftstagungen teil. 1957 starb Anna Boschek in Wien; mit der Benennung des Hofes in Favoriten und weiteren Orten im Stadtgebiet (etwa dem Anna-Boschek-Platz in Leopoldau) erinnert die Stadt an ihr Engagement für die Rechte von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern.[22][23]
Dieses Haus ist benannt nach
Anna Boschek (1874 - 1957)
Sozialdemokratische Gewerkschafterin und Politikerin.
Zeit ihres Lebens setzte sie sich für die Rechte der arbeitenden Menschen
und bessere Arbeitsbedingungen vor allem für Frauen ein.
Nach Einführung des Frauenwahlrechts war sie als erste Gewerkschafterin
von 1919 bis zur gewaltsamen Ausschaltung des Parlaments 1934
als Abgeordnete im Nationalrat tätig.
Bezirksvorstehung Favoriten
Kunst am Bau
Obelisk mit Tiermosaiken
- Obelisk mit Tiermosaiken im Anna-Boschek-Hof
An der Ecke der Anlage zur Rotenhofgasse befindet sich ein markanter Obelisk mit Tierdarstellungen in Mosaiktechnik. Das Kunstwerk wurde 1956 von Heribert Potuznik geschaffen und ist ein typisches Beispiel für Kunst am Bau der Nachkriegszeit: farbige, leicht abstrahierte Tiermotive beleben den Platzbereich und setzen einen spielerischen Akzent zu den sachlichen Wohnblöcken.[24]
| Steckbrief | |
|---|---|
| Datierung | 1956 |
| Künstler | Heribert Potuznik |
| Typ | Kunst am Bau; freistehender Obelisk mit Mosaikdekoration im Hof einer Wohnhausanlage |
| Material | Mosaik (Keramik/Glas) auf Obeliskkörper aus Stein oder Beton |
| Standort (genau) | Hofbereich des Anna-Boschek-Hofes an der Ecke zur Rotenhofgasse, 10. Bezirk, Favoriten |
| Ikonografie | Farbig gesetzte Tierdarstellungen in leicht abstrahierter Form; spielerische Akzentsetzung zu den nüchternen Wohnblöcken |
| Hinweis | Kunst-am-Bau-Arbeit der 1950er-Jahre im kommunalen Wohnbau |
Mosaik Sonne
- Mosaik Sonne am Anna-Boschek-Hof
An der Front zur Davidgasse ist ein Mosaik Sonne angebracht, das 1958 von Reinhold Hauck gestaltet wurde. Die strahlenförmige Komposition knüpft an das Motiv des Lichts als Symbol von Aufbruch und neuer Zeit an und passt damit gut zum Charakter der Anlage als Gemeindebau der 1950er-Jahre.[25]
| Steckbrief | |
|---|---|
| Datierung | 1958 |
| Künstler | Reinhold Hauck |
| Typ | Kunst am Bau; Wandmosaik an der Fassade einer Wohnhausanlage |
| Material | Mosaik aus farbigen Keramik- bzw. Glaselementen auf Putzträger |
| Standort (genau) | Straßenfront des Anna-Boschek-Hofes an der Davidgasse, oberhalb eines Eingangs-/Stiegenhausbereichs |
| Ikonografie | Stilisiert dargestellte Sonne mit strahlenförmiger Komposition als Symbol für Licht, Wärme und Neubeginn |
| Hinweis | Kunst-am-Bau-Arbeit der 1950er-Jahre im kommunalen Wohnbau; ergänzt den Obelisk mit Tiermosaiken im Hofbereich |
Solche Kunstwerke wurden damals bewusst eingesetzt, um die neuen Wohnhausanlagen aufzuwerten, Orientierungspunkte zu setzen und die Identifikation der Bewohnerinnen und Bewohner mit ihrem Hof zu stärken.
Leben im Gemeindebau heute
Heute ist der Anna-Boschek-Hof ein dicht bewohnter Gemeindebau mit einem breiten Spektrum an Bewohnerinnen und Bewohnern. Zwischen den Häusern bieten Grünflächen und Spielplätze nach wie vor wichtige Aufenthaltsbereiche. Neben der klassischen Wohnnutzung haben sich in Erdgeschoßlokalen und Wohnungen verschiedene Kleinbetriebe und Initiativen angesiedelt, von Dienstleistungsunternehmen bis zu Ateliers und Ausstellungsräumen.[26][27]
Das Nachbarschaftsservice wohnpartner nutzt den Hof immer wieder als Ort für Dialog- und Beteiligungsformate. So finden hier etwa Demokratie-Cafés statt, bei denen Bewohnerinnen und Bewohner über Zusammenleben, Mitbestimmung und Verbesserungsmöglichkeiten im Grätzel diskutieren können. Solche Angebote unterstreichen die Rolle des Gemeindebaus nicht nur als Wohnort, sondern auch als sozialer und politischer Lernraum im Alltag einer Großstadt.[28][29]
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Quellen
- ↑ https://www.wienerwohnen.at/hof/772/Anna-Boschek-Hof.html
- ↑ https://www.wienerwohnen.at/hof/772/Anna-Boschek-Hof.html
- ↑ https://www.austriasites.com/vienna/strasse_gussriegelstrasse.htm
- ↑ https://www.wienerwohnen.at/hof/772/Anna-Boschek-Hof.html
- ↑ https://www.austriasites.com/vienna/strasse_davidgasse.htm
- ↑ https://www.wwpipe.at/web-portal/complex-description/0810368
- ↑ https://www.wienerwohnen.at/hof/772/Anna-Boschek-Hof.html
- ↑ https://www.austriasites.com/vienna/strasse_davidgasse.htm
- ↑ https://www.austriasites.com/vienna/strasse_davidgasse.htm
- ↑ https://www.wwpipe.at/web-portal/complex-description/0810368
- ↑ https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/index.php?title=Anna-Boschek-Hof
- ↑ https://www.wienerwohnen.at/hof/772/Anna-Boschek-Hof.html
- ↑ https://www.austriasites.com/vienna/strasse_gussriegelstrasse.htm
- ↑ https://www.wwpipe.at/web-portal/complex-description/0810368
- ↑ https://www.austriasites.com/vienna/strasse_davidgasse.htm
- ↑ https://www.austriasites.com/vienna/strasse_gussriegelstrasse.htm
- ↑ https://www.wwpipe.at/web-portal/complex-description/0810368
- ↑ https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20100526_OTS0276/morgen-16-uhr-benennung-anna-boschek-hof-in-favoriten
- ↑ https://www.dasrotewien.at/seite/boschek-anna
- ↑ https://wien.arbeiterkammer.at/ueberuns/geschichte/Anna-Boschek.html
- ↑ https://www.dasrotewien.at/seite/boschek-anna
- ↑ https://www.dasrotewien.at/seite/boschek-anna
- ↑ https://www.derstandard.at/story/2000124842716/die-ersten-weiblichen-abgeordneten-der-ersten-republik
- ↑ https://www.austriasites.com/vienna/strasse_gussriegelstrasse.htm
- ↑ https://www.austriasites.com/vienna/strasse_davidgasse.htm
- ↑ https://www.allbiz.at/home-and-pet-care-whu-wolfgang-helps-us-0664-2000807
- ↑ https://frediana.studio/contact
- ↑ https://presse.wien.gv.at/presse/2024/05/14/gaal-wohnpartner-startet-demokratie-cafes-im-gemeindebau-fuer-zusammenhalt-und-mitbestimmung-in-stadt-graetzl-und-auf-der-stiege
- ↑ https://www.imgraetzl.at/triesterviertel/treffen/december-in-the-office-frediane-space
