Der Goldene Apfel
1., Innere Stadt Stephansdom Türkenbelagerung Sultan Süleyman Osmanische Überlieferung Wahrzeichen
Die Legende
Historischer Hintergrund
Die Sage gehört in den Umkreis jener osmanischen Erzählungen, in denen Wien als Goldener Apfel erscheint. Dieser Ausdruck meinte nicht bloß Reichtum oder Schönheit, sondern ein begehrtes Ziel von höchstem Rang. Die Stadt wurde damit symbolisch überhöht und zugleich in die Vorstellungswelt imperialer Eroberung eingebunden.
Der Stephansdom und vor allem sein hoher Turm eigneten sich dafür in besonderer Weise. Kaum ein anderes Bauwerk prägte das Bild Wiens so stark wie St. Stephan. In der Legende wird gerade dieser Turm zum Träger eines Machtzeichens: Nicht durch die Einnahme der Stadt, sondern schon durch die Aufsetzung der goldenen Kugel soll Wien symbolisch dem Herrschaftsanspruch des Sultans unterstellt worden sein.
Deutung
Die Erzählung ist weniger eine Kriegssage als eine Deutungssage um ein städtisches Wahrzeichen. Sie erklärt nicht einfach eine Belagerung, sondern den Namen und die symbolische Bedeutung Wiens. Der Goldene Apfel steht dabei für Glanz, Begehren und Herrschaft.
Zugleich zeigt die Sage einen Wettstreit der Zeichen. Zuerst setzt der Sultan die goldene Kugel auf den Turm. Dann antwortet König Ferdinand mit Mond und Sonne. Schließlich erscheint das Kreuz als letztes und stärkstes Symbol christlicher Gegenbehauptung. Der Turm des Stephansdoms wird damit in der Erzählung zu einer Bühne politischer und religiöser Zeichenkämpfe.
Bemerkenswert ist auch, daß die Legende Wien nicht als gewöhnliche Stadt, sondern als Preis von welthistorischer Bedeutung schildert. Der Goldene Apfel ist kein bloßes Schmuckstück, sondern Sinnbild eines Zieles, um das Reiche ringen.
Einordnung
Der Goldene Apfel gehört zu den bedeutendsten osmanischen Wien-Sagen. Die Erzählung verbindet den Stephansdom, die erste Türkenbelagerung und die symbolische Aufladung der Stadt zu einem dichten legendären Bild.
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Quellen
- ↑ Richard F. Kreutel, Im Reiche des goldenen Apfels, Graz, 2. Auflage 1963, S. 122 ff.