Fleischmarkt 13

Aus City ABC

Das Gebäude

Ein Bild.

Bezirk
1., Innere Stadt
Aliasadressen
=Fleischmarkt 13
=Hafnersteig 8
vor 1862: 705
vor 1847: 705
vor 1821: 749
vor 1795: 702
Konfession
griechisch-orthodox
Patronizium
Heilige Dreifaltigkeit
Bauzeit
1782–1787 (Erstbau), 1856–1858 (Umbau), bis 1861 (Vorbau und Turm)
Architekten
Peter Mollner (Erstbau), Theophil von Hansen (Umbau)
Ausstattung (Auswahl)
Carl Rahl (Fassade und Vestibül), Ludwig Thiersch (Fresken)
Inhaltslizenz: CC-BY-SA 4.0


Griechenkirche zur Heiligen Dreifaltigkeit - Architektur und Geschichte

Die Griechenkirche zur Heiligen Dreifaltigkeit am Fleischmarkt gehört zu den markantesten orthodoxen Sakralbauten der Wiener Innenstadt. Sie liegt im historischen Umfeld des ehemaligen Griechenviertels und ist seit 1963 die Kathedrale der griechisch-orthodoxen Metropoliten in Österreich.

Die heutige Wirkung der Kirche entsteht aus einer ungewöhnlichen Schichtung: Am Beginn stand im späten 18. Jahrhundert ein vergleichsweise schlichter Erstbau, der in den Jahren 1782 bis 1787 durch Peter Mollner errichtet wurde. Die Gemeinde der Heiligen Dreifaltigkeit entwickelte sich im Umfeld des Toleranzpatents (1781) und war historisch von jener orthodoxen Gemeinde zu unterscheiden, die am Heiligen Georg orientiert war. Der Unterschied zur griechisch-orientalischen Kirche geht schon auf das Jahr 451 zurück und gründet sich auf verschiedene Auffassungen, nämlich ob Christus zugleich Mensch und Gott war, oder nicht.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts erhielt die Kirche ihr charakteristisches Erscheinungsbild: Der Unternehmer Georg Simon von Sina beauftragte Theophil von Hansen mit einem grundlegenden Umbau, der 1856 einsetzte und 1858 feierlich eingeweiht wurde.Bis 1861 wurde der Vorbau mit dem achteckigen Turm und der kuppeligen Haube ergänzt, wodurch die Anlage im Straßenraum des Fleischmarkts zu einem weithin erkennbaren Akzent wurde.

1858 wurde nach Plänen von Theophil Hansen unter Bauleitung von Eduard Frauenfeld sen. Umbauarbeiten vorgenommen. [1]

Architektonisch verbindet die Kirche byzantinisierende Formen mit Elementen, die im Wiener Kontext vertraut wirken. Der Innenraum ist einschiffig, der Chorbereich ist rechteckig ausgebildet; zugleich finden sich bewusst gesetzte Anspielungen an barocke Raumwirkungen, wie man sie in Österreich und Süddeutschland kennt.[2] Prägend ist außerdem die Ausstattung: Carl Rahl schuf Malereien an Fassade und im Vestibül, während Ludwig Thiersch für Fresken im Kirchenraum verantwortlich ist.[3]

Geschichten um die Kirche

ICON Wiener Geschichte.png

Möglich war der Bau 1781 durch das von Kaiser Joseph II. verfügte Toleranzpatent. Wer sich in der Griechengasse umsieht, findet am Haus gegenüber vom Griechenbeisl, am Haus Nummer 18 eine Erinnerung daran. [4]

Als die orthodoxe Gemeinde im späten 18. Jahrhundert einen eigenen Gottesdienstort suchte, waren Sichtbarkeit und Repräsentation keine Selbstverständlichkeit. In der Überlieferung wird gern betont, dass nicht-katholische Kirchen damals in vielem „unscheinbar“ bleiben mussten, weil äußere Zeichen wie Glockengeläut und Turmformen politisch heikel waren. Umso stärker wirkt die Pointe, dass Joseph II. der Gemeinde bereits 1787 die Errichtung eines Glockenturms erlaubte, obwohl solche Zeichen im Geist der damaligen Restriktionen eigentlich unerwünscht waren.[5]

Bis heute lebt diese Spannung im Besuchserlebnis fort: Von außen wirkt die Kirche wie ein Teil des Stadtgewebes, im Inneren entfaltet sich dann eine dichte Bilderwelt, die viele als überraschend prächtig wahrnehmen.

In der englischsprachigen Darstellung wird außerdem überliefert, dass auch die Familie Herbert von Karajans zu den Gemeindemitgliedern zählte, was die soziale Durchmischung der Gemeinde im 20. Jahrhundert andeutet.[6]

Vorgängerhaus

Ehemals befand sich auf dem Areal das "Stockhammersche Haus". Es wurde 1782 der griechischen Gemeinde überlassen, damit diese hier eine Kirche erbauen konnte. Die alte Kirche war nicht von der Straße her zugänglich und wurde 1858 abgerissen, um der heutigen Dreifaltigkeitskirche Platz zu machen. [7]

Zeittafel (Auswahl)

Zeittafel (Auswahl)
1781 Toleranzpatent als Rahmenbedingung für die Entstehung nicht-katholischer Gemeinden in Wien.[8]
1782–1787 Erstbau der Kirche durch Peter Mollner.[9]
1856–1858 Umbau durch Theophil von Hansen, finanziert/ermöglicht durch Georg Simon von Sina; feierliche Einweihung am 21. Dezember 1858.[10][11]
bis 1861 Vorbau und achteckiger Turm mit Kuppelhaube in byzantinischen Formen.[12]
1963 Kathedrale der griechisch-orthodoxen Metropoliten Österreichs.[13][14]

Ein Rundgang um die Kirche

Wer vom Schwedenplatz her in den Fleischmarkt einbiegt, erlebt einen typischen Innenstadtmoment: Zwischen Wohn- und Geschäftshäusern öffnet sich plötzlich eine byzantinisierende Fassade, die mit ihrem Turm und den warmen Ziegeltönen einen eigenen Kosmos behauptet. Gerade diese überraschende Präsenz gehört zur Dramaturgie des Ortes, weil sie das frühere Griechenviertel im heutigen Stadtbild wieder sichtbar macht.

Griechenkirche am Fleischmarkt

Fleischmarkt: die Kirche im Straßenraum

Die bauliche Setzung wirkt wie ein bewusstes Gegenbild zum engen Gassenprofil: Rundbogenfenster, dekorative Bänderung und ein klar rhythmisiertes Fassadenraster ordnen die Perspektive. In dieser Zone lohnt es sich, den Blick bewusst nach oben zu nehmen, weil die Staffelung der Formen den Übergang vom profanen Straßenraum zu einem sakralen Mittelpunkt vorbereitet.[15]

Vorbau, Bogenformen und Turm

Turm und Vorbau

Achteckiger Turm mit Kuppelhaube

Der Vorbau mit dem achteckigen Turm gehört zu den späten Ergänzungen nach dem Umbau und wurde bis 1861 ausgeführt. In der Material- und Formensprache wird das byzantinische Vokabular besonders deutlich, zugleich bleibt die Kirche im Wiener Historismus-Kontext verankert, weil Hansen hier seine Athen-Erfahrungen in eine lokale Großstadtlogik übersetzt.

Übergang zu Schule, Verwaltung und Alltag

Nebentrakt

Kirche und angrenzende Nutzungen

Über der Kirche und in den angrenzenden Räumen sind nicht nur kirchliche Funktionen untergebracht, sondern auch Einrichtungen, die das Gemeindeleben tragen. Genannt werden insbesondere Ämter der Metropolis sowie eine griechische Schule und Bibliothek, wodurch der Bau zugleich religiöser Ort und kultureller Ankerpunkt der griechischen Community in Wien ist.

Das Innere der Kirche

Wer die Kirche betritt, erlebt einen zweiten Überraschungsmoment: Der Innenraum ist nicht nur reich dekoriert, sondern auch atmosphärisch stark auf die Liturgie der orthodoxen Tradition hin ausgerichtet. Der einschiffige Raum führt auf den Ikonostasenbereich zu, während Fresken und malerische Programme die theologische Erzählung in Bildern verdichten.

Grundriss und Orientierung

Grundriss (schematisch)

Grundriss

Die Orientierung folgt einer klaren Dramaturgie: vom Eingang durch das Vestibül in den Hauptraum, dann zum Ikonostasenbereich und weiter zum Chor. Der rechteckige Chor ist ein markantes Element, das den Raumabschluss betont und die Blickachse stabilisiert.

Station 1: Vestibül und Bildprogramm

Vestibül

Vestibül

Bereits im Übergangsbereich treten die Malereien in Erscheinung, die Carl Rahl zugeschrieben werden. Sie markieren die Schwelle zwischen Stadt und Sakralraum und bereiten ikonografisch vor, was im Kirchenraum in größerer Dichte weitergeführt wird.

Station 2: Der einschiffige Hauptraum

Hauptraum

Hauptraum und Blickrichtung Chor

Der Hauptraum ist einschiffig und wirkt in seiner Grundordnung klar, wird aber durch die Oberflächen, Farben und die liturgische Möblierung intensiv aufgeladen. Bemerkenswert ist, dass Hansen hier bewusst barocke Raumassoziationen zulässt, obwohl das Motivspektrum insgesamt byzantinisierend bleibt.

Station 3: Fresken von Ludwig Thiersch

Fresken

Fresken (bitte Datei ergänzen)

Die Fresken im Kirchenraum werden Ludwig Thiersch zugeschrieben. Sie strukturieren nicht nur die Flächen, sondern schaffen eine erzählerische Klammer, die das liturgische Zentrum im Osten mit dem Gemeinderaum verbindet.

Station 4: Ikonostase und Altarbereich

Ikonostase

Ikonostase (Detail)

Der Ikonostasenbereich ist der theologische und liturgische Fokus. Er ordnet die Blickbeziehungen, markiert die Grenze zwischen dem Raum der Gemeinde und dem Heiligtum und macht deutlich, dass Architektur und Liturgie hier als Einheit gedacht sind.

Station 5: Bischofsstuhl, Kanzel und liturgische Möbel

Bischofsstuhl

Bischofsstuhl

Im Kirchenraum fallen der Bischofsstuhl und die Kanzel als herausgehobene Ausstattungsstücke auf. In Reiseberichten und Besucherwahrnehmungen werden diese Elemente häufig als besonders eindrucksvoll beschrieben, weil sie die feierliche, repräsentative Dimension einer Kathedrale sichtbar machen.[16]

Station 6: Chorabschluss und Raumwirkung

Chor

Chorbereich

Der rechteckige Chorabschluss ist ein Kernmerkmal der Anlage. Zusammen mit der Ikonostase entsteht ein klarer liturgischer Vorderraum, während der Gemeinderaum in seiner Proportionierung so gefasst ist, dass er sowohl feierlich als auch gut lesbar bleibt.

Gedenktafeln

Gedenktafel Simon Sina

Gedenktafel Simon Sina

Diesen Heiligen Tempel der Göttlichen Trias gewidmet
hat so reichlich Simon Freiherr von Sina geschmückt,
hat vergrößert den Raum und den Turm erbaut für die Glocken
und verherrlicht des Herrn Tempel mit Reichtum und Kunst.
Darum, o Göttliche Trias! beschütze dein mächtiger Segen
solcher Frömmigkeit Lohn ihn und sein blühendes Haus.
Übersetzung von Eugenie Bolza Popp 1858

Gedenktafel Heinrich Drimmel, Georg Zimmermann

Gedenktafel Heinrich Drimmel, Georg Zimmermann

Dem
Bundesminister für Unterricht
Dr. Heinrich Drimmel
und dem
Bundesminister für Finanzen
Dr. Georg Zimmermann
9. Juni 1957

Gedenktafel Gefallene des Ersten Weltkriegs

Gedenktafel Gefallene des Ersten Weltkriegs

Gedenktafel
für die
im Kriege 1914 – 1918 gebliebenen Angehörigen der
griech.-orient. Gemeinde zur heil. Dreifaltigkeit:
Di Demetrio Adonis J. + 9. Sept. 1914
Di Demetrio Kadmos J. + 29. Apr. 1918
Economo Dr. Johannes J Freih. v. +16.Juni 1916
Galatti Andreas Th. Ritt. v. + 12. Aug. 1917
Galatti Konstantin M. Ritt. v. + 4. Nov. 1916
Ralli Johannes St. Freih. v. + 11. Jan 1918
Scanavi Nikolaus St. Ritt. v. +14. Aug 1915

Alte Ansichten

Filmdokumente

▶︎ Film ansehen auf media wien

Die Griechenkirche taucht auch in einem Film der media wien auf. Im Film Aus den Trümmern ins Heute ist eine Totale vom Fleischmarkt mit Blick auf die Kirche bei 01:37 zu sehen.

Quelle: Wiener Stadt- und Landesarchiv / media wien


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Quellen