Josefsplatz 2

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Das Gebäude

Ein Bild.

Bezirk
1., Innere Stadt
Aliasadressen
=Josefsplatz 2
Hofburg
Konskriptionsnummer Stadt
vor 1862: 1
vor 1847: 1
vor 1821: 1
vor 1795: 1
Baujahr
1722/23-1726 / Erweiterung: 1767
Architekten (Bau)
Johann Bernhard und Joseph Emanuel Fischer von Erlach / Erweiterung: Nikolaus Pacassi
Inhaltslizenz: CC-BY-SA 4.0


Das Haus, Österr. National-Bibliothek, Prunksaal - Architektur und Geschichte

Der heutige Prunksaaltrakt an der Adresse Josefsplatz 2 entstand unter Kaiser Karl VI. als repräsentative Hofbibliothek. Errichtet wurde er nach Plänen von Johann Bernhard Fischer von Erlach und Joseph Emanuel Fischer von Erlach in den Jahren 1722 bis 1726.[1] 1735 wurde die monumentale Marmorfigur Karls VI. im Mitteloval des Prunksaals hier aufgestellt.[2]

Architektonisch ist der Bau ein barockes Schlüsselwerk innerhalb der Hofburg. Der Prunksaaltrakt nimmt die gesamte Front des Josefsplatzes ein. Der Saal misst 77,7 Meter in der Länge, 14,2 Meter in der Breite und 19,6 Meter in der Höhe; die Kuppelzone steigt auf fast 30 Meter an.Schon diese Maße zeigen, dass hier nicht nur ein Bibliotheksraum, sondern ein kaiserlicher Repräsentationsraum geschaffen wurde.

Künstlerische Ausstattung

Das Bildprogramm im Inneren unterstreicht diesen Anspruch. Die Deckenfresken wurden von Daniel Gran geschaffen und 1730 vollendet. Im Eingangsflügel erscheinen weltliche und kriegerische Themen, während der rückwärtige Friedensflügel, der an die Hofburg anschließt, allegorische Szenen von Himmel und Frieden zeigt; dort lag ursprünglich auch der Zugang des Kaisers. Die hohe Kuppel verherrlicht Karl VI. in einer Apotheose als Bauherr und Förderer von Kunst und Wissenschaft.

Im Zentrum des Saales steht die überlebensgroße Statue Karls VI. als Hercules Musarum, also als Beschützer der Künste und Wissenschaften. Sie datiert von 1735 und wird Antonio Corradini zugeschrieben. Umgeben ist sie von vier venezianischen Prunkgloben.

Entlang des Saales stehen außerdem Marmorstatuen österreichischer und spanischer Habsburger, geschaffen von den Brüdern Peter, Paul und Dominik Strudel.

Schon wenige Jahrzehnte nach der Errichtung traten statische Probleme auf. In den Jahren 1765 bis 1767 ließ Nicolaus Pacassi den Bau mit massiven Pilastern und eisernen Sicherungen verstärken, um die gefährdete Konstruktion zu stabilisieren. Dabei wurde auch das Kuppelfresko beschädigt; 1769 restaurierte es Franz Anton Maulbertsch. Nach dem Brand von 1848 musste Franz Geyling das Fresko 1849/50 erneut instand setzen.

Die Dachfiguren: Atlas und Tellus/Gaia

Ein besonders schönes Detail des Gebäudes sind die großen Dachfiguren über der Nationalbibliothek: Vom Josefsplatz aus gesehen trägt links Atlas einen großen Himmelsglobus, rechts hält eine weibliche Figur, meist als Tellus oder Gaia gedeutet, einen Erdglobus. Beide Gruppen gehören zum barocken Attika-Programm und wurden von Lorenzo Mattielli geschaffen.

Die beiden Figurengruppen sind nicht bloß dekorativer Fassadenschmuck. Sie bilden gemeinsam ein bewusstes Gegenpaar: hier der Himmel, dort die Erde. Zwischen Astronomie, Geographie und mathematischen Instrumenten wird damit sichtbar, wofür die ehemalige Hofbibliothek stehen sollte – für die Ordnung des Wissens, für Gelehrsamkeit und für den Anspruch, den Kosmos ebenso wie die Welt systematisch zu erfassen.

Über dem Mittelrisalit ergänzt eine weitere Figurengruppe dieses Programm: Dort triumphiert Minerva auf einer Quadriga über Neid und Unwissenheit. Zusammen gelesen entsteht so ein geschlossenes barockes Bildprogramm. Der Bau zeigt sich nicht nur als Bibliothek, sondern als kaiserliches Monument des Wissens. Die Dachfiguren machen diesen Anspruch schon von außen ablesbar.[3][4] [5]

Der Bestand der Nationalbibliothek

Die Sammlung der Bücher geht schon auf die frühesten Herrscher zurück, Albrecht III., Maximilian I. und seiner Gemahlin Maria von Burgund und Ferdinand I. sammelten Handschriften und wissenschaftliche Werke, und so beherbergte die Bibliothek des Hofes schon im Jahr 1591 9000 wertvolle Bände. Der erste Hofbibliothekar, Hugo Blotius, wurde 1575 durch Maximilian II. nach Wien berufen, er legte den ersten Index für die Sammlung an. Nachdem die wachsende Sammlung an unterschiedlichen Standorten verteilt war (im Minoritenkloster von 1558 bis 1623, in der Hofburg und im Harrach-Palais bis 1726), entschloss sich Leopold I. zum Bau einer neuen Bibliothek. Der Plan wurde durch die Türkenbelagerung 1683 vereitelt, und so realisierte erst 1722 Karl VI. die Umsetzung. Er beauftragte Johann Bernhard Fischer von Erlach, und nach dessen Tod seinen Sohn Joseph Emanuel Johann Fischer von Erlach mit der Erbauung des Prunkgebäudes am Josefsplatz.

Ungewöhnlich für die Zeit war, dass der Kaiser die Bibliothek der Öffentlichkeit zugänglich machte, nutzen durften sie allerdings nur Gelehrte. Erst ab 1860 durfte die ganze Bevölkerung den Schatz sehen und lesen, der erste Lesesaal wurde erst 1906 eröffnet.

1745 wurde durch Maria Theresia ihr Leibarzt Gerhard van Swieten zum Präfekten der Bibliothek bestellt, mit ihm kam nun wissenschaftliche Literatur zur Sammlung. Da in seine Zeit (Joseph II.) die Schließung der Klöster fiel, wurde die Sammlung der Kirche in Form von 300 Handschriften, 3.000 Druckwerken und 5.000 Diplomata integriert. Die Fülle an Neuzugängen motivierte van Swieten zur Anlage des ersten Zettelsystems zur Auffindung der Bücher und Dokumente.

Heute gehört der Prunksaaltrakt zur Österreichischen Nationalbibliothek und beherbergt rund 200.000 historische Bücher aus den Jahren 1501 bis 1850. Besonders hervorzuheben ist die Bibliothek des Prinzen Eugen mit rund 15.000 Bänden, die bis heute einen der kostbarsten Bestandskomplexe des Saales bildet. Damit ist Josefsplatz 2 nicht nur ein bedeutender Hofburgtrakt, sondern einer der eindrucksvollsten barocken Bibliotheksräume Europas.

Film zur Nationalbibliothek

Wien.gv.at • Wien
Jubiläum der Nationalbibliothek

Quelle: YouTube • Direktlink

Unglücksfälle

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Während der Beschießung Wiens durch die kaiserliche Armee am 31. Oktober 1848 fing das Dach der Hofbibliothek Feuer; die Bibliotheksbeamten Ernst Birk und Faust Pachler bekämpften unter größten Schwierigkeiten den Brand und retteten damit den Prunksaal und die Bibliotheksbestände; im anschließenden Hofnaturalienkabinett fiel damals unter anderem die ausgestopfte Figur des Angelo Soliman den Flammen zum Opfer.

Leiter der Hofbibliothek

Die Liste der Leiter entstammt inhaltlich der Seite https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Österreichische_Nationalbibliothek:[6]

Titel Name Von Bis
Hofbibliothekar Dr. Hugo Blotius 1575 1608
Hofbibliothekar Sebastian Tengnagel 1608 1636
Hofbibliothekar Dr. Wilhelm Rechberger 1636 1650
Hofbibliothekar Matthäus Mauchter 1650 1663
Hofbibliothekar Dr. Peter Lambeck 1663 1680
Hofbibliothekar Daniel Nessel 1680 1700
Hofbibliothekar Hermann von Grevenbruck 1700 1705
Hofbibliothekar Johann Benedikt Gentilotti von Engelsbrunn 1705 1723
Präfekt Dr. Pius Nikolaus von Garelli 1723 1739
Präfekt Nikolaus Forlosia 1739 1745
Präfekt Dr. Gerard Freiherr van Swieten 1745 1772
Präfekt Adam Franz Kollár von Kereszten 1772 1777
Präfekt Dr. Gottfried Freiherr van Swieten 1777 1803
Präfekt Bernhard Freiherr von Jenisch 1803 1807
Präfekt Franz Maria Freiherr von Carnea-Steffaneo 1807 1809
Präfekt Joseph Maximilian Graf Tenczyn-Ossolinski 1809 1826
Präfekt Moritz Graf Dietrichstein-Proskau-Leslie 1826 1845
Präfekt Friedrich Halm (Eligius Freiherr von Münch-Bellinghausen) 1845 1871
Vorstand Ernst von Birk 1871 1891
Direktor Dr. Wilhelm von Hartel 1891 1896
Direktor Dr. Heinrich Zeißberg 1896 1899
Direktor Dr. Joseph Karabacek 1899 1917
Titulargeneraldirektor Dr. Josef Donabaum 1917 1922
Generaldirektor Dr. Josef Bick 1923 1938
Direktor Dr. Paul Heigl 1938 1945
Generaldirektor Dr. Hugo Häusle 1945 1945
Generaldirektor Dr. Josef Bick 1945 1949
Generaldirektor Dr. Josef Stummvoll 1949 1967
Generaldirektor Dr. Leopold Nowak 1968 1968
Generaldirektor Dr. Rudolf Fiedler 1968 1977
Generaldirektor Dr. Karl Kammel 1978 1980
Generaldirektor Dr. Heinrich Zessner-Spitzenberg 1980 1983
Generaldirektor Dr. Magda Strebl 1983 1993
Generaldirektor Dr. Johann Marte 1993 2000
Generaldirektor Dr. Johanna Rachinger 2001 laufend

Vorgängerhaus

1658 wurde auf dem Areal das "Kömodienhaus" errichtet, es handelte sich um ein hölzernes Schauspielhaus mit drei Rängen. 1683, wurde es wegen Brandgefahr abgerissen. [7]


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Quellen