Stephansdom: Füchselbaldachin
Der Füchselbaldachin (Südostbaldachin) ist einer der reich verzierten spätgotischen Baldachine im Langhaus des Stephansdoms. Er steht im südlichen Seitenschiff nahe dem Eingang zur Unteren Sakristei und trägt eine markante Sänger- bzw. Orgelempore.
In der südöstlichen Ecke des Langhauses (südliches Seitenschiff) befindet sich der Füchselbaldachin, der heute mit dem Leopolds-Altar ausgestattet ist. Seinen Namen verdankt der Baldachin seiner Stifterin, Agnes Füchsel, die ihn 1448 finanziert hatte.
Der Südostbaldachin ist ein quadratischer, sterngewölbter Aufbau, der sich an drei Seiten öffnet. Charakteristisch sind die Kielbogenformen und das feine Maßwerk, das in der Brüstung besonders dekorativ wirkt. Im Unterschied zu vielen Altaraufbauten ist hier die Kombination mit einer Empore entscheidend: Sie läuft nach Westen weiter und macht den Baldachin zu einem Übergang zwischen Architektur und Musikpraxis.
Unter dem Baldachin befand sich ursprünglich ein dem heiligen Ulrich geweihter Altar.
Im 18. Jahrhundert wurde ein barocker Leopold-Altar errichtet; dabei war der Aufbau so groß, dass der gotische Baldachin verändert werden musste. Nach Restaurierung und statischer Sicherung im 19. Jahrhundert entschied man sich für einen neugotischen Altar, um den provisorischen Zustand zu beenden.[1]
Der Leopolds-Altar wurde erst im Jahr 1903 durch Ludwig Schadler geschaffen, die Ornamente sind ein Werk von Ludwig Linzinger. Die Figur des heiligen Leopold trägt das Wappen von Altösterreich. [2]
Die Statuen im unteren Bereich zeigen die älteren Landespatrone Wiens, Severin und Koloman.[3]
Musik: die Orgel über dem Baldachin
Auf der begehbaren Empore über dem Füchselbaldachin stand ab 1507 eine große Orgel, die als Hauptorgel des Domes galt. Sie wurde vom Bozener Orgelbauer Burchard Tischlinger (auch Dinstlinger) errichtet. In den Quellen wird die Standortfrage als eindeutig beschrieben: südliches Langhaus-Seitenschiff, nahe dem Sakristei-Eingang, auf der Empore über dem Baldachin.
Über diese Orgel wird außerdem berichtet, dass auf ihr der berühmte Organist Paul Hofhaimer spielte – ein Hinweis darauf, welchen Rang dieser Standort für die Dommusik hatte. Später wurden ältere Orgelstandorte abgetragen, um Pfeifenmaterial weiterzuverwenden; die „Klangkörper“ selbst sind heute nicht mehr erhalten.[4]
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Quellen
- ↑ https://www.dombauwien.at/dombau/pdf/der_dom_Zeitung/DerDom_2005_2.pdf
- ↑ Rupert Feuchtmüller: Der Wiener Stephansdom, Wiener Dom-Verlag, 1978, Wien. S. 340
- ↑ https://www.stephansdom.at/dom_im_detail_fuechselbaldachin.htm
- ↑ https://www.wiener-dommusik.at/files/Orgelstandorte.pdf
