Stephansdom: Riesentor
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Das Portal
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Das Riesentor liegt an der Westseite des Stephansdoms zwischen den beiden Heidentürmen. Es gehört mit dem romanischen Westwerk zum ältesten erhaltenen Baubestand des Doms und wird meist in die Zeit um 1230 bis 1250 eingeordnet.[1]
Schon auf den ersten Blick wirkt dieses Portal anders als die späteren gotischen Partien des Doms. Es ist schwerer, tiefer, kompakter und stärker in die Mauer eingebunden. Gerade diese gestaffelte Tiefe macht das Riesentor zu einem der eindrucksvollsten romanischen Portale Wiens.
Wer hier eintritt, passiert nicht einfach einen Eingang. Das Portal markiert den Übergang von außen nach innen, von Lärm und Marktgeschehen in den liturgischen Raum. Gerade deshalb wurde das Riesentor im Mittelalter nicht nur als Bauteil, sondern als bedeutungsvolle Schwelle verstanden.
Architektur und Bildprogramm
Datei:BERMANN(1880) p0407 Details am Riesenthor.jpg
Das Portal ist als reich gegliedertes Trichterportal ausgebildet. An beiden Seiten staffeln sich Säulen in die Tiefe, darüber liegen reich profilierte Bogenläufe und ein Tympanon mit Christus als Weltenherrscher in der Mandorla.[2]
Gerade am Riesentor zeigt sich, wie stark das mittelalterliche Portal als Bildraum gedacht war. Kapitelle, Reliefzonen, Köpfe, Fratzen und Figuren gehören hier nicht bloß zur Dekoration. Sie strukturieren das Tor inhaltlich und machen aus dem Eingang ein steinernes Programm von Gericht, Ordnung und Schutz.
Am Bereich des Westwerks sind zudem römische Spolien sichtbar. Für den Bau wurden also ältere Steinreste wiederverwendet, was die lange Geschichte dieses Ortes noch unmittelbarer erfahrbar macht.
Woher kommt der Name?
Datei:BERMANN(1880) p0698 Fossiler Mammutknochen, sog. Riesenschienbein, von 1443.jpg
Die Herkunft des Namens Riesentor ist nicht völlig gesichert. Eine verbreitete Erklärung führt ihn auf einen Mammutknochen zurück, der bei Bauarbeiten gefunden, als Knochen eines Riesen gedeutet und lange Zeit im Bereich des Tores gezeigt wurde.[3]
Daneben gibt es eine sprachgeschichtliche Deutung, die den Namen mit dem mittelhochdeutschen risen in Verbindung bringt. Dann würde sich der Name auf die trichterförmig nach innen fallende Gestalt des Portals oder auf die Richtung des Sonnenuntergangs beziehen.[4]
Gerade diese Unsicherheit macht das Riesentor besonders reizvoll. Der Name verbindet Baugeschichte, Legende und Sprachgeschichte auf eine Weise, die sehr typisch für den Stephansdom ist.
Worauf man am Riesentor achten sollte
Das Riesentor lohnt nicht nur als Gesamtansicht. Beim näheren Hinsehen fällt vor allem die große Tiefe der Portalzone auf. Die gestaffelten Formen wirken fast wie eine kleine Architektur in der Architektur. Das ist ein sehr guter Ort, um den Unterschied zwischen Romanik und späterer Gotik direkt am Dom zu sehen.
Wer den Blick hebt, entdeckt das Tympanon mit Christus als Weltenherrscher. Ebenso spannend sind die Säulen, Kapitelle und Figurenzonen an den Seiten. Einige Details wirken vertraut, andere rätselhaft, manche fast fremd. Gerade diese Mischung macht das Riesentor so eigentümlich dicht.
Unmittelbar an das Riesentor schließen innen die Passionsreliefs an, außen wiederum der Dornauszieher und weitere Figuren des Westportals. Das Riesentor ist daher kein isoliertes Objekt, sondern ein Knotenpunkt zwischen Außenraum, Eingangssituation und erstem Innenraum des Doms.
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Bilder
- Riesentor
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Das Riesentor heute
- BERMANN(1880) p0407 Details am Riesenthor.jpg
Tympanon und Bildprogramm
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Laibung und Figurenschmuck
- BERMANN(1880) p0698 Fossiler Mammutknochen, sog. Riesenschienbein, von 1443.jpg
Historische Darstellung des Mammutknochens
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