Das Anzeichen der Glocke der Loretokapelle
1., Innere Stadt Augustinerkirche Loretokapelle Todesvorzeichen Kirchensage Wunderzeichen 18. Jahrhundert
Historischer Hintergrund
Zur Einordnung: Loretokapellen waren im Barock beliebte Andachtsorte. Berichte von selbsttätigem Glockenläuten oder nicht von Menschenhand gespielter Musik spiegeln frühneuzeitliche Deutungsmuster, in denen Zeichen als Omen verstanden wurden. Die hier überlieferten Ereignisse (1723/1726) sind in Wolfsgrubers Kapellengeschichte gesammelt und wurden von Gugitz in die Wiener Sagensammlungen übernommen.
In der religiösen Vorstellungswelt der Barockzeit galten ungewöhnliche Geräusche, selbsttätig bewegte Gegenstände oder unerklärliche Musik oft als Zeichen aus einer unsichtbaren Welt. Besonders in Kirchenräumen, an Kapellen oder bei Grablegen wurden solche Vorkommnisse nicht bloß als Zufall gedeutet, sondern als Hinweise auf nahenden Tod, auf das Wirken der Seelen Verstorbener oder auf göttliche Mahnung.
Die Loretokapelle der Augustinerkirche war ein Ort besonderer Frömmigkeit und zugleich eng mit Begräbnis- und Erinnerungskultur verbunden. Dass gerade hier ein Glöcklein von selbst zu läuten begann und später mit dem Tod eines in der Kapelle bestatteten Adligen in Verbindung gebracht wurde, fügt sich gut in diese barocke Deutungswelt ein.
Auch die Erzählung von nächtlicher Orgelmusik ohne sichtbaren Organisten gehört zu einem verbreiteten Motiv älterer Kirchensagen. Solche Geschichten verdichten die Atmosphäre heiliger Räume und machen sie zu Schauplätzen des Wunderbaren, Unheimlichen und schwer Erklärbaren.
Vertiefende Informationen: Augustinerkirche · Augustinerstraße 3 und 5
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