Die Entstehung der Karlskirche in Wien

Aus City ABC

Sagen und Legenden
Die Entstehung der Karlskirche in Wien



4., Wieden Karlskirche Stephansdom Pest Gelübde Heiligenverehrung 18. Jahrhundert


Wie die Karlskirche nach der Pest entstand

Altwiener Bilderbuch nach alten Stichen 0046 b.jpg

Karlskirche, Altwiener Bilderbuch nach alten Stichen

Im Jahr 1713 wurde Wien von einer schweren Pestepidemie getroffen. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen breitete sich die Seuche rasch aus. Schulen wurden geschlossen, Menschenansammlungen verboten, und selbst viele Gotteshäuser blieben leer. Dennoch forderte die Krankheit in der Stadt Tausende von Opfern.

In dieser Zeit der Angst legte Kaiser Karl VI. in der Stephanskirche ein feierliches Gelübde ab. Wenn Wien von der Pest befreit werde, wolle er zu Ehren des heiligen Karl Borromäus eine große Kirche errichten. Der heilige Karl Borromäus galt als Fürsprecher in Zeiten der Seuche und wurde vielerorts als Pestheiliger verehrt.

Der Überlieferung nach ließ die Krankheit schon bald nach dem Gelübde spürbar nach und erlosch schließlich ganz. Karl VI. hielt daraufhin sein Versprechen: Auf der Wieden ließ er eine prächtige Kirche erbauen, die dem heiligen Karl Borromäus geweiht wurde – die heutige Karlskirche mit ihrer großen Kuppel und den beiden auffälligen Säulen.

So wurde die Karlskirche im Gedächtnis der Stadt nicht nur zu einem barocken Meisterwerk, sondern auch zu einem steinernen Zeichen des Dankes für das Ende der Pest.

Ort: Karlskirche / 4. Bezirk; Gelübde in St. Stephan
[1]

Historischer Hintergrund

Die Pestepidemie von 1713 war einer der letzten großen Seuchenzüge in Wien. Die Krankheit prägte das Leben der Stadt tief: Öffentliche Zusammenkünfte wurden eingeschränkt, der Alltag verändert und die Angst vor Ansteckung bestimmte das Leben vieler Menschen. In dieser Situation gewannen religiöse Deutungen und Gelübde besondere Bedeutung.

Karl Borromäus, ein Mailänder Erzbischof des 16. Jahrhunderts, wurde in der katholischen Tradition als Helfer in Pestzeiten verehrt. Ihm wurde zugeschrieben, in Zeiten der Seuche seelsorglich und tatkräftig gewirkt zu haben. Dass Kaiser Karl VI. ausgerechnet ihm eine Kirche widmete, verband persönliche Frömmigkeit mit dynastischer Repräsentation und städtischer Erinnerungskultur.

Die Karlskirche ist daher nicht nur ein bedeutendes Bauwerk des Wiener Barock, sondern auch ein Denkmal für die Erfahrung von Krankheit, Angst und erhoffter Rettung. Die Sage verdichtet diese Zusammenhänge zu einer klaren Botschaft: Aus der Not der Pest entstand ein Bauwerk, das bis heute das Wiener Stadtbild prägt.


Navigation

→ weiter zu Sage
← zurück zu Karlskirche

Quellen

  1. Franz Spirago: Beispiel-Sammlung für das christliche Volk, Prag 1918, Nr. 743