Die Kapellen der Augustinerkirche

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Augustinerkirche

Rundgang Loreto- und Georgskapelle


Rundgang durch die Kapellen

Loretokapelle

Die Loretokapelle in der Augustinerkirche

Die Loretokapelle an ihrem heutigen Standort

Die Loretokapelle, Unserer Lieben Frau von Loreto geweiht, stand ursprünglich seit 1627 inmitten der Augustinerkirche. Im Zuge der großen Umgestaltung des Kirchenraums wurde sie mitsamtz der Herzgruft 1784 an ihren heutigen Standort übertragen. Von ihrer einst kostbaren Ausstattung ist heute nur noch wenig erhalten, da wertvolle Teile in der Zeit der Napoleonischen Kriege im Zuge der Silberablieferungen verloren gingen. Dadurch wirkt die Kapelle heute deutlich schlichter, als sie ursprünglich gedacht war.

Eine Legende zur Loretokapelle findet sich hier: Das Anzeichen der Glocke der Loretokapelle 1624 hatte Kaiserin Eleonora, die zweite Gattin Kaiser Ferdinands II., in der Hofpfarrkirche St.Augustin eine Loretokapelle gestiftet (Loretokult).

150 Jahre lang diente die Loretokapelle als zweite Hofkapelle und Privatheiligtum des Hofes.

Die Loretokapelle wurde zur Herzgruft, als der junge König Ferdinand IV. bestimmte, dass man sein Herz "unnser Lieben frawen Maria zu Loreto unter ihre füeß legen und begraben solte".

Im Fußboden zwischen dem Altar und der Mauernische mit der Muttergottesstatue wurde eine kleine, mit Marmor ausgekleidete Gruft angelegt.

Ferdinand II. erkor die Augustinerkirche 1637 zur Begräbnisstätte der Herzen verstorbener Familienangehöriger („Herzgrüftel"), hier ruhen nun in silbernen Gefäßen die Herzen von 54 Habsburgern, beginnend mit Ferdinand II. (1637), endend mit Franz Karl 1878. Bis zum Bau der heutigen Herzgruft 1802 wurden die Herzurnen in einem versiegelten Kasten aufgehoben.

Der Adolphus-Ring

Die Loretokapelle in der Augustinerkirche

Herzgruft

Einst befand sich hier eine wertvolle Opfergabe - ein Ring, den der gefallene Schwedenkönig Gustav Adolf bei der Schlacht bei Lützen getragen hatte. Kaiser Ferdinand II. hatte diesen Ring an einer goldenen Kette der Kapelle übergeben und dazu eine Gedenktafel fertigen lassen:

"Diesen Ring hat gehabt
Gustavus König in Schweden,
so den 16. November 1632
in der Schlacht bei Lützen
von der Kaiserlichen Armatur geblieben.[1]

Heute findet sich hier nur mehr eine Statue aus dem 17. Jahrhundert. Hinter dem Kapellenaltar befindet sich der kreisrunde Raum, in dem die Herzen der Habsburger aufbewahrt werden.

Georgskapelle

Das Kentograph Leopold II

Das Kentograph Leopold II.

Gleich neben der Augustinerkirche entstand, im Auftrag von Otto dem Fröhlichen, wenige Jahre nach deren Gründung eine weitere Kapelle, sie wird in einer Urkunde von Friedrich und Ulrich von Wallsee bereits 1337 erwähnt. Bereits am 1.5.1341 wurde sie geweiht und diente bis 1400 der Rittergemeinschaft des Heiligen Georg (dessen Gründungsmitglied Otto war) als Versammlungsraum, aber auch als Sakralraum für die Klostergemeinschaft; daran angepasst wurde auch der Bau – es sind zwei Schiffe vorhanden. Damit ist sie die frühest erhaltene frühgotische Zweischiffraum-Kirche in Österreich.

Die Kapelle kann nur über die Loreto-Kapelle betreten werden.

Die Georgskapelle ist 20 Meter lang, 11 Meter breit und 12 Meter hoch. Zarte Kreuzgewölbe und schlanke Kapitelle prägen den Innenraum. Die Schlusssteine (Löwe, Christus Pantokrator, Phönix, Lamm Gottes und die Evangelistensymbole) sind noch original erhalten. An den Wänden stehen steinerne Sitzbänke, auf denen die Ritterschaft früher gesessen hat.

In der Mitte des Raumes ist ein Scheingrab (Kenotaph), das um 1800 von Franz Anton Zauner geschaffen wurde, zu sehen. Es war für Kaiser Leopold II. ( † 1792) gedacht, der jedoch in der Kapuzinergruft beigesetzt wurde.

Im Zentrum steht ein Kenotaph, das um 1800 von Franz Anton Zauner geschaffen wurde. Es war für Kaiser Leopold II. gedacht, der jedoch in der Kapuzinergruft beigesetzt wurde.

Im Fußboden ist außerdem eine Grabplatte aus Adneter Dolomit für Gerhard van Swieten eingelassen, den berühmten Leibarzt Maria Theresias.

Die Denkmäler und Wandgräber an den Seiten sind die des ersten Feldmarschalls von Kaiser Maria Theresia, Wirich Graf Daun († 1741; von Jakob Schletterer), und seinen Sohn, Leopold Graf Daun (dem Sieger von Kolin, † 1766; geschaffen von Balthasar Ferdinand Moll).

Die beiden Altarbilder der Heiligen Appolonia und der Heiligen Johannes kamen unter Josef. II. an ihren heutigen Platz.

Im 16. Jahrhundert wurde die Georgskapelle als Totenkapelle genutzt; ab 1638 diente sie der Totenbruderschaft als Versammlungsraum, bis diese unter Joseph II. im Jahr 1782 aufgehoben wurde. Auch der mit Totenköpfen bemalte Eingang erinnert noch an diese Funktion als Raum des Totengedenkens.

Die Totenbruderschaft

Die Witwe des Kaisers Ferdinand II. soll die Totenbruderschaft 1638 gegründet haben, Zweck war die Bestattung von Hingerichteten, damit auch für deren Seelenheil gebetet werden konnte.

Die Mitglieder der Bruderschaft, hauptsächlich Adelige, begleiteten seit Mitte des 17. Jahrhunderts in schwarze Kapuzenmäntel gehüllt, die mit Totenkopf und zwei gekreuzten Knochen geschmückt waren, die Hingerichteten von der Hinrichtungsstätte bis zum Begräbnisort, dem Armesünder Gottesacker (Argentinierstraße 2 bis 6 und Paniglgasse 2 bis 12). Geweihte Erde war einem Hingerichteten verboten.

Ein Beispiel dafür ist die Begleitung des Jakobiners Hebenstreit.

Der Jakobiner Hebenstreit

Hebenstreit war ein früher Prediger der Gleichheit, überzeugt, "daß allerley Menschen auf gleicherley Art gebohren würden, gleiche Übel während ihres Lebens zu ertragen hätten und im Sterben ebenfalls wieder gleich wären".

Im Jahr 1794, unter der Herrschaft des Kaisers Franz II., wurden in Wien an die fünfzig Befürworter einer demokratischen Staatsordnung vor Gericht gestellt und als "Jakobiner" des Hochverrats angeklagt. Die meisten wurden zu langjährigen Kerkerstrafen verurteilt, Andreas Riedel, ein Berater des Vaters des Kaisers, zu 60 Jahren. Die Offiziere Kajetan Gilowski und Franz Hebenstreit wurden zum Tod verurteilt.

Gilowski nahm sich in der Zelle das Leben, sein Leichnam wurde am Stubentor an einen Galgen gehängt. Franz Hebenstreit wurde am 8. Jänner 1795 am Schottentor gehenkt.


Quellen

  1. Realis: Curiositaten und Memorabilien-Lexicon von Wien, Anton Köhler Verlag, Wien, 1846. S. 24