Jüdisches Wien Innere Stadt - Hotspots

Aus City ABC

Stadtspaziergänge
Jüdisches Wien Innere Stadt - Hotspots

Jüdisches Wien - ein Spaziergang durch den 1. Bezirk

  • Dauer: ca. 2–3 Stunden (ohne Museumsbesuche); mit Museen sollte ein Tag eingeplant werden
  • Beste Zeit: Vormittag oder früher Nachmittag; beide Museen sind außer Samstag täglich geöffnet.
  • Kombinierbar: Spaziergang kann mit dem 2. Bezirk (Leopoldstadt, Praterstraße, Karmeliterviertel) verbunden werden – dort ist das moderne jüdische Leben besonders präsent.
  • Führungen: Das Jüdische Museum bietet auch geführte Stadtrundgänge an.

✡ Station 1: Judenplatz

  • Judenplatz 8, 1010 Wien: Hier befand sich im Mittelalter das Zentrum des jüdischen Lebens in Wien.
  • Sehenswürdigkeiten:
    • Holocaust-Mahnmal von Rachel Whiteread (1995–2000): Betonblock in Form einer nach außen gewendeten Bibliothek, erinnert an die 65.000 ermordeten österreichischen Juden.
    • Jüdisches Museum am Judenplatz: Ausstellungen über die Geschichte der Wiener Juden und Ausgrabungen der mittelalterlichen Synagoge.
  • Empfohlene Verweildauer: 30 Minuten

Judenplatz

Judenplatz

Bis 1421 war hier die jüdische Stadt – mit der ersten Synagoge (die Or-Sarua-Synagoge), dem Haus des Rabbis und einem Spital. Insgesamt waren etwa 70 Häuser mit rund 800 Bewohnern hier angesiedelt.
Juden waren im alten Wien nicht unwillkommen – zumal sie an die herrschenden Schichten verzinste Darlehen gaben, während es Christen untersagt war, Zinsen zu verlangen (Juden durften das). Juden vorfinanzierten Feldzüge – wenn diese verloren wurden, standen die Herrscher vor unbezahlbaren Schulden. Das war auch 1420/1421 der Grund, dass Herzog Albrecht V (später Kaiser Albrecht der II) 1420 alle Juden in Österreich gefangen nehmen ließ und ihr Vermögen konfiszierte, das er dann unter den Herzögen verteilte.
Kinder unter 15 wurden zwangsgetauft, ärmere Erwachsene wurden in ein Boot gesetzt und die Donau hinuntergetrieben. Die Reichen blieben im Gefängnis (wo bereits zahlreiche starben bzw. sich umbrachten), am 12.3.1421 verurteilte der Herzog alle zum Tode. Vorgeschobener Grund war, dass ihnen ein Hostienfrevel in Enns zugeschrieben wurde, dass sie Brunnen vergiftet hätten, die Pest nach Wien gebracht hätten und dass sie christliche Kinder ermordet hätten. Noch am selben Tag wurden 300 Juden auf der Weißgerberlände verbrannt. Erst unter Friedrich dem III. (1463) durften Juden zurück nach Wien. Die Steine der Synagoge wurden zur Erbauung der alten Wiener Universität genutzt.

Holocaust Denkmal

Holocaust Denkmal

Im Jahr 2000 wurde auf Initiative von Simon Wiesenthal das Denkmal aufgestellt, das nun den Judenpatz dominiert. Es erinnert konkret an die Grausamkeit der Jahrhunderte, die der jüdischen Bevölkerung zugefügt worden war. Das Betonmonument wurde von Rachel Whiteread zur Erinnerung an die 65.000 österreichi-schen jüdischen Opfer geschaffen, die Enthüllung fand am 25.10.2000 statt.
Die Wände bestehen aus versteinerten Büchern, deren Buchrücken nach Innen zeigen und deren Titel damit nicht entzifferbar sind. Sie stehen symbolisch für die anonymen Schicksale – aber auch für die Buchverbrennungen, die in der NS-Zeit geschehen sind. Die 41 Platten am Boden verweisen auf 41 Orte, an denen die Massenvernichtung an Juden stattgefunden hat. Die Bibliothek hat eine Tür – aber keine Türschnalle, was die Unzugänglichkeit symboli-siert. Der Stahlbetonkubus steht auf einer Grundfläche von 10 mal 7 Metern und hat eine Höhe von 3,8 Metern.

Jüdisches Museum am Judenplatz

Jüdisches Museum am Judenplatz

Im Misrachi-Haus ist eines der beiden Jüdischen Museen zu finden (das andere befindet sich in der Dorotheergasse). Das Museum dokumentiert seit der Eröffnung am 25.10.2000 das soziale, kulturelle und religiöse Leben der Wiener Juden im Mittelalter. Die Räumlichkeiten sind klein, jedoch modern und hell gestaltet.
Von den Ausstellungsräumlichkeiten, in denen man auch einen virtuellen Rundgang durch das Jüdische Wien im 14. Jahrhundert erleben kann, gelangt man hinunter zu den Fundamenten der alten Synagoge, 4,5 Meter unter dem Straßengrund
Das Haus selbst stammt aus dem Jahr 1693. Zwischen 1786 und 1802 ist der Bankier Michael Josef Arnstein als Besitzer vermerkt. Ab 1862 kam die Familie Mendeles in Besitz des Hauses, die auch den Umbau 1907 veranlassen ließ. Diese Familie gründete auch die Mendeles'sche Siftung, in die das Haus übertragen wurde. Die Stiftung wurde später zur "Allgemeinen Stiftung für jüdische Fürsorge" umgewandelt. Im 2. Weltkrieg wurde das Haus beschlagnahmt, im Zuge des Rückstellungsverfahrens wurde es der Israelitischen Kultusgemeinde zugesprochen.
Misrach: Sonnenaufgang im Osten Diese Himmelsrichtung hat für die Juden besondere Bedeutung, weil sich dort Israel befindet. Die Synagogen werden nach dieser Richtung gebaut. Aus diesem Grunde werden in der Synagoge (Schul) die an der »Misrachwand« gelegenen Sitze besonders geschätzt und teuer bezahlt. In den Wohnungen wird oft eine bemalte Tafel mit der Inschrift »Misrach« angebracht um dem Betenden die Richtung nach Jerusalem anzuzeigen.

Route zu Station 2

Gehzeit
9 Minuten
Route
Judenplatz → abbiegen in die Parisergasse, entlang → links abbiegen in die Seitzergasse → links abbiegen auf die Bognergasse → rechts abbiegen in die Tuchlauben → links abbiegen auf den Graben -> rechts abbiegen in die Dorotheergasse → Ziel: Dorotheergasse 11

Vom Judenplatz führt dich der Weg zunächst durch die Parisergasse – ein paar Schritte, die noch im Schatten jener mittelalterlichen Judenstadt liegen, die hier bis 1421 das jüdische Leben Wiens bündelte. Über Seitzergasse und Bognergasse wechselst du in jene Gassenwelt, in der Handel, Hofnähe und städtischer Alltag dicht ineinandergreifen. Spätestens in den Tuchlauben öffnet sich dann die Bühne der „Kredit- und Kaufmannsstadt“.

Kontext am Weg: Zweite Ansiedlung am Judenplatz und Wiener Gesera (1420/21).

Ab 1420 setzte unter Herzog Albrecht V. eine systematische Verfolgung ein: Verhaftungen, Folter und Zwangstaufen (insbesondere von Kindern) sowie Ausweisungen. Im März 1421 wurden die letzten in Wien verbliebenen Mitglieder der Gemeinde hingerichtet; häufig wird von über zweihundert Menschen gesprochen, die am 12. März 1421 auf der Gänseweide (heute Bereich Weißgerberlände/Erdberger Lände) verbrannt wurden. Als offizielle Begründungen kursierten Vorwürfe wie Hostienfrevel (u. a. Enns) und „Ketzerverschwörungen“; in der Forschung gelten solche Gründe als vorgeschoben, während finanzielle, politische und religiöse Motive zusammenwirkten. [1] [2] [3]

Weiterführende Informationen:

Wer den Abschnitt zur mittelalterlichen Judenstadt gleich vertiefen möchte, findet die Langfassung hier: Jüdisches Wien – Mittelalter.

Zwischenstopp 1: Parisergasse – Rand der mittelalterlichen Judenstadt.

Die Judenstadt 1421

Text

Gleich nach dem Judenplatz führt der Weg durch eine Gasse, die bis 1421 zur ummauerten Judenstadt rund um Schulhof/Judenplatz gehörte. Wer hier geht, bewegt sich also noch für ein paar Schritte innerhalb jenes Quartiers, das im 13.–15. Jahrhundert das Zentrum jüdischen Lebens in Wien war – mit Synagoge, Schule und dicht bebauter Nachbarschaft. [4] [5]

Zwischenstopp 2: Tuchlauben 19 – David Steuss und die „Kreditstadt“ Wien

Die Judenstadt 1421

Text

Wenn du in die Tuchlauben einbiegst, lohnt sich ein kurzer Halt bei Tuchlauben 19. In Quellen wird diese Adresse mit David Steuss (14. Jahrhundert) verbunden, einem der bekanntesten jüdischen Geldverleiher seiner Zeit. Seine Biografie macht greifbar, wie eng jüdische Wiener mit Handel, Kredit und den Finanzbedürfnissen von Adel und Stadt verflochten waren – und wie rasch diese Verflechtungen in Krisenzeiten in Feindbilder umschlagen konnten. [6] [7]

Zwischenstopp 3: Dorotheergasse 6-8 – David Steuss und die „Kreditstadt“ Wien

Gedenktafel Adolf Frankl

Text

In dem Haus wohnte der Maler und Grafiker Adolf Frankl (* 12.2.1903 in Preßburg; † 18.8.1983 in Wien). Frankl, der jüdischer Abstammung war, war 1944 in Brünn verhaftet worden und ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert worden. Nachdem er am 27.1.1945 von der Roten Armee befreit wurde, emigrierte er nach Wien und arbeitete hier seine traumatischen Erlebnisse auf. Am Haus erinnert eine Gedenktafel an ihn.

✡ Station 2: Dorotheergasse – Jüdisches Museum Wien

  • Dorotheergasse 11, 1010 Wien
  • Zeigt Sammlungen zur jüdischen Religion, Kultur und Geschichte Österreichs.
  • Hier wird auch die Vielfalt des jüdischen Lebens heute beleuchtet.
  • Empfohlene Verweildauer: 45 Minuten (mit Museumsbesuch)

Jüdisches Museum Wien

Jüdisches Museum Wien

Das Museum in der Dorotheergasse ist das Haupthaus des Jüdischen Museums Wien. Es wurde 1993 eröffnet und befindet sich in einem barocken Palais, das in den Jahren zuvor umfassend renoviert wurde.

Die Ausstellung widmet sich der Geschichte, Religion und Kultur des jüdischen Lebens in Österreich – von den mittelalterlichen Anfängen über die Blütezeit im 19. Jahrhundert bis zur Shoah und darüber hinaus. Besonders eindrucksvoll ist der sogenannte "Schauraum der Namen", der tausende Namen von österreichischen Holocaust-Opfern auf einer beleuchteten Glaswand versammelt.

Wechselnde Sonderausstellungen beleuchten Aspekte der Gegenwart, etwa zur Rolle jüdischer Künstler oder zur Popkultur. Auch das Café im Erdgeschoß ist öffentlich zugänglich.

Im selben Gebäude ist auch die Verwaltung der Israelitischen Kultusgemeinde untergebracht – das Haus ist somit nicht nur ein Museum, sondern auch ein aktiver Ort jüdischen Lebens in Wien.

Route zu Station 3

Gehzeit
5 Minuten
Route
Dorotheergasse 11 -> links aus dem Haus rausgehen, entlang der Dorotheergasse -> links abbiegen in die Augustinerstraße -> links abbiegen zum Albertinaplatz/Helmut-Zilk-Platz -> Ziel: Mahnmal gegen Krieg und Faschismus

✡ Station 3: Helmut-Zilk-Platz – Mahnmal gegen Krieg und Faschismus

  • Albertinaplatz - eigentlich Helmut-Zilk-Platz, 1010 Wien
  • Vier Skulpturengruppen erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus und des Krieges, darunter „Der Straßenwaschende Jude“ als direkte Anspielung auf die Demütigungen 1938.
  • Empfohlene Verweildauer: 15 Minuten

Mahnmal gegen Krieg und Faschismus

Mahnmal gegen Krieg und Faschismus

Das Mahnmal gegen Krieg und Faschismus des Bildhauers Alfred Hrdlicka auf dem Albertinaplatz befindet sich an der Stelle, an der ein gesamter Häuserblock (der Phillip-Hof) durch Fliegerbomben zerstört wurde. Der "Straßenwaschende Jude" ist ein eindringliches Zeichen gegen die zerstörerische Kraft des Rassismus einst und jetzt.

Das Mahnmal wurde 1988 von Alfred Hrdlicka errichtet – an einem Ort, der selbst von der NS-Zeit gezeichnet ist: Hier stand einst der Philipp-Hof, ein Wohnhaus, das 1945 bei einem Bombenangriff zerstört wurde. In seinen Kellern waren hunderte Zivilisten in einem Luftschutzkeller ums Leben gekommen.

Die vier Skulpturengruppen setzen sich mit verschiedenen Aspekten der Gewalt und Erinnerung auseinander. Besonders bekannt ist die Figur des „straßenwaschenden Juden“ – ein Mann, der mit bloßen Händen das Pflaster reinigt. Sie erinnert an die systematische Erniedrigung jüdischer Mitbürger durch die Nationalsozialisten im Jahr 1938, als viele Juden auf den Straßen Wiens unter Zwang mit Zahnbürsten Schmierereien entfernen mussten.

Das Denkmal ruft dazu auf, die Opfer von Krieg und Faschismus nicht zu vergessen – und war gleichzeitig Auslöser öffentlicher Debatten, da Hrdlickas Darstellung bewusst provokant gewählt wurde. Heute ist es ein zentraler Erinnerungsort mitten in der Stadt.

Route zu Station 4

Gehzeit
x Minuten
Route

✡ Station 4: Theodor-Herzl-Stiege – Jüdisches Viertel im Frühmittelalter

  • Theodor-Herzl-Stiege, 1010 Wien
  • Die Stiege überbrückt den Höhenunterschied in der Sterngasse
  • Die Gedenktafel für Theodor Herzl (mit hebräischem Text) wurde 1990 angebracht.
  • Herzl wurde in der Nähe geboren (Dorotheergasse), lebte in Wien, schrieb hier und starb 1904.
  • Empfohlene Verweildauer: 5 Minuten

Theodor-Herzl-Stiege

Theodor-Herzl-Stiege

Benannt ist die Stiegenanlage seit dem 18.1.1996 nach dem Schriftsteller und Journalisten Theodor Herzl, der als Begründer der Idee des Staates Israel gilt. An ihn erinnert auch die Gedenktafel, die an der Stützmauer angebracht ist.

Die Tafel wurde anlässlich des 100-jährigen Jubiläums (1896) der Veröffentlichung seines Werkes „Der Judenstaat“ (Thema war die Gründung eines eigenen Staates) angebracht.

✡ Station 5: Desider-Friedmann-Platz

  • Nähe Seitenstettengasse: Benannt nach Desider Friedmann, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, der 1944 in Auschwitz ermordet wurde.
  • Kleiner Platz, oft übersehen, symbolisiert die Rückkehr jüdischen Lebens in die Innenstadt nach 1945.

Desider-Friedmann-Platz

Desider-Friedmann-Platz

Der Desider-Friedmann-Platz wurde am 18.1.1990 nach dem Rechtsanwalt und Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Desider Friedmann (1880 – 1944, in Ausschwitz gemeinsam mit seiner Frau Ella ermordet) benannt – vorher war der Bereich Teil des Fleischmarktes. Seit einigen Jahren wird anlässlich des Chanukka-Festes auf diesem Platz ein großer Chanukka-Leuchter aufgestellt.

Gedenkstätte

Gedenkstätte

1981 kam es hier zu einem Attentat palästinensischer Terroristen, woran die Gedenktafel erinnert.

Auch an den Anschlag vom 2.11.2020 erinnert eine Tafel.

Jerusalemstiege

Jerusalemstiege

Die Jerusalem-Stiege verbindet den Desider-Friedmann-Platz (Erweiterung der Judengasse bei der Einmündung der Sterngasse) mit dem einige Meter tiefer gelegenen Fleischmarkt beim Kornhäusel-Turm. Die Treppe wurde anlässlich des 3000. Geburtstages der Stadt Jerusalem benannt.

✡ Station 6: Seitenstettengasse - Stadttempel

  • Seitenstettengasse 4, 1010 Wien: Einziger Synagogenbau, der die Novemberpogrome 1938 überstand, weil er eng umbaut war.
  • Heute: Hauptsynagoge der Israelitischen Kultusgemeinde, Zentrum jüdischen Lebens in Wien. Führungen sind möglich, müssen aber im Voraus gebucht werden.
  • Hinweis: Beim Zugang Sicherheitskontrollen beachten.
  • Empfohlene Verweildauer: 20 Minuten

Synagoge

Synagoge

Am 12.12.1825 wurde der Grundstein zu dem Tempelbau gelegt. Kornhäusel passte den prunkvoll ausgestatteten Bau in einen Wohnblock ein, da den josephinischen Bauvorschriften gemäß nur katholische Gotteshäuser direkt an Straßen stehen durften. Diese Bauweise rettete allerdings die Synagoge in der Reichskristallnacht (November 1938) vor der Zerstörung durch die Nazis. Das Edikt von Joseph II. schrieb außerdem vor, dass der Tempel keine eigene Glocke haben dürfe. In dem vorgelagerten Mietshaus befindet sich heute ein Teil der Israelitischen Kultusgemeinde

Inschrift Stadttempel

Inschrift Stadttempel

Über dem Tor ist eine hebräische Inschrift angebracht: "bo'u sche'araw betoda chatzerotaw bitehilla“, was so viel bedeutet wie: „Kommet zu seinen Toren mit Dank, zu seinen Vorhöfen [des Jerusalemer Tempels] mit Lobgesang!“. In der Schrift ist eine Zahlenbotschaft versteckt: Die Buchstaben des Wortes schearaw ergeben das Baujahr des Gebäudes:

schin/300 + ajin/70 + resch/200 + jod/10 + waw/6 = 586

Ergänzt man diese Zahl um eine gedachte 5000, ergibt sich das Jahr 5586, was nach dem jüdischen Kalender 1825/1826 bedeutet.

Die Gasse

Die Gasse

Am 22. April 1979 explodierte im Hof der Synagoge ein halbes Kilogramm Plastiksprengstoff. Verletzt wurde niemand, aber alle Glasfenster zersplitterten und es entstand großer Sachschaden. Die Attentäter konnten völlig ungehindert in die Synagoge eindringen; in der Folge übernahm die palästinensische Extremistengruppe Adler der Revolution (As-Saika) dafür die Urheberschaft.

Am 29. August 1981 verübten zwei schwer bewaffnete Terroristen der palästinensischen Extremistengruppe Fatah Revolutionärer Rat einen Anschlag auf den Stadttempel mit zwei Toten und 21 teils Schwerverletzten. Die Attentäter, von denen einer bereits den Anschlag auf Heinz Nittel verübt hatte, drangen am Sabbat um 11:30 Uhr während des Gottesdienstes in die Synagoge ein, warfen Handgranaten und feuerten in die Menge. Zur Sicherung eingesetzte Polizisten sowie zwei private Wachposten wurden im Kugelhagel schwer verletzt. Einer der Attentäter wurde durch einen zufällig anwesenden Privatdetektiv angeschossen und konnte im Zuge der anschließenden Großfahndung in der Nähe festgenommen werden. Auch der zweite Terrorist wurde nach einer Verfolgungsjagd, während der er noch zwei Passanten getötet und Handgranaten auf einen Funkstreifenwagen geworfen hatte, gestellt.

Noch heute wird der Stadttempel, wie andere jüdische Einrichtungen in Wien, von der Polizei laufend beschützt.

Die Gasse

Judengasse, Ecke Seitenstettengasse

Das Gebiet um die Seitenstettengasse gehörte zu den ersten Siedlungsgebieten der Juden, bis ins 13. Jahrhundert, bevor eine Verlegung zum Judenplatz vorgenommen wurde. Der erste namentlich bekannte Wiener Jude war Schlom (auch: Schlomo, * ?, † 1196). Schlom war Bankier und Besitzer großer Teile der heutigen Seitenstettengasse (Seitenstettengasse 2, 4 und 6).

Schlom war von Leopold V. als Münzmeister nach Wien berufen worden und prägte in seinem Auftrag die Silberbarren, die Wien aus dem Lösegeld von König Richard Löwenherz erhalten hatte, zu Münzen. Die erste Erwähnung eines Juden ist auf eben diesen Schlom zurückzuführen, denn er ist im Zusammenhang mit einem Erbschaftsstreit in die Urkunden Wiens eingegangen. 1194 vererbte ein Mann namens Wergand dem Kloster Formbach seinen Weingarten. Schnell stellte sich heraus, dass dieser Wergand gar nicht Besitzer, sondern lediglich der Verwalter dieses Weingartens war, und in den Diensten des Juden stand. Da das Kloster auf das falsche Erbe jedoch bestand, zog sich der Streit über Jahre, und konnte schließlich erst nach dem Tod von Leopold (durch seinen Nachfolger Friedrich I.) entschieden werden. Der kirchentreue Kaiser entschied gegen den Juden, das Weingut verlor Schlom, erhielt aber immerhin eine Abschlagszahlung. Der reiche Jude beschäftige in seinem Anwesen nicht nur jüdisches Personal, auch christliche Dienstboten waren bei ihm tätig. Einer davon bestahl ihn - er entnahm 24 Mark. Schlom ließ den Dieb, der sich den Kreuzfahrern angeschlossen hatte, dafür einkerkern. Aber die Frau des Diebes hetzte nun die anderen Kreuzfahrer auf, die wütend loszogen und Schlom und weitere 15 Juden ermordeten. Herzog Friedrich ließ zwei der Rädeslführer 1196 enthaupten.


✡ Station 7: Morzinplatz – Gestapo-Hauptquartier (ehemals Hotel Metropol)

Morzinplatz 0 CM

Morzinplatz

Am Morzinplatz befindet sich das von Leopold Grausam jun. 1985 gestaltete Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus. Es zeigt einen Davidstern und den Rosa Winkel, zum Andenken an die jüdischen und homosexuellen Opfer der Nazis. Mit dem Text “niemals vergessen” und der Bronzefigur eines KZ-Häftlings erinnert das Denkmal an den Naziterror. Warum ausgerechnet hier das Denkmal steht ist leicht erklärt – hier war der Sitz der Gestapo-Zentrale.

Leopold-Figl-Hof Relief Leopold-Figl-Hof Gedenkstätte

Leopold-Figl-Hof

Leopold-Figl-Hof, ehem. Hotel Metropol: Das Haus in Stahlbetonskelettbauweise wurde 1963 von Josef Vytiska erbaut. Es wurde nach Leopold Figl, dem ÖVP-Politiker, der das KZ überlebt hatte, benannt.

Am Hof befindet sich, am Balkon des 1. Stocks, ein Fries von Emil Roth. Es zeigt eine Darstellung des Galgens, Schafotts und Häftlinge. Roth gestaltete auch das Fußbodennatursteinmosaik im Innenbereich.

Im Haus befindet sich außerdem ein Gedenkraum für die Opfer des Freiheitskampfes Österreichs (Eingang Salztorgasse). Seit 1968 betreut in diesem Haus das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes eine Gedenkstätte der Opfer des Freiheitskampfes Österreichs, die 2011 neu gestaltet wurde. Inhalt der Ausstellung ist die Tätigkeit der Gestapo, der Einsatz von Spitzel und die Verfolgung von Juden. Derzeit wird die Gedenkstätte nur auf Nachfrage geöffnet (Tel.: 2289469-319 oder office@doew.at).

✡ Endpunkt: Judenplatz (Rundweg)

  • Rückkehr zum Ausgangspunkt, wo man den Spaziergang beenden oder verlängern kann (z. B. Kaffeehäuser wie Café Central oder Café Korb in der Nähe).


Jüdisches Wien – Hotspots (Innere Stadt)

🕍 Jüdisches Wien – Hotspots (Innere Stadt)

Tipp: Die Marker sind klickbar und führen direkt zu den Detailseiten.

  1. Universität Wien (650 plus): Von einer fiktiven Ketzerverschwörung zum Juden-Pogrom. https://geschichte.univie.ac.at/de/artikel/von-einer-fiktiven-ketzerverschwoerung-zum-juden-pogrom
  2. Wien Geschichte Wiki: Gänseweide-Gedenktafel. https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/G%C3%A4nseweide-Gedenktafel
  3. Deutschlandfunk: 600. Jahrestag der „Wiener Gesera“. https://www.deutschlandfunk.de/600-jahrestag-der-wiener-gesera-brutales-massaker-an-den-100.html
  4. Wien Geschichte Wiki: Parisergasse. https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Parisergasse
  5. Wien Geschichte Wiki: Judenstadt (1). https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Judenstadt_%281%29
  6. Wien Geschichte Wiki: David Steuss. https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/David_Steuss
  7. Wikipedia: David Steuss. https://de.wikipedia.org/wiki/David_Steuss