Christkindlmarkt

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Rituale und Brauchtum
Christkindlmarkt
Brauchtum in Wien

Der Christkindlmarkt gehört zu den ältesten und lebendigsten Wiener Adventbräuchen. Was heute als stimmungsvoller Weihnachtsmarkt erscheint, ist historisch der letzte Rest jener Jahrmarktrechte, die der Stadt Wien bereits 1296 und 1396 bestätigt wurden. Ursprünglich war der Markt ein Krippenmarkt; erst mit der Durchsetzung des Christbaums erhielt er allmählich den Namen Christkindlmarkt.

Advent Weihnachten Märkte Christkindlmarkt


Vom Thomasmarkt zum Christkindlmarkt

Brauch: Verkaufsbuden zur Adventzeit

Carl Wenzel Zajicek Weihnachtsmarkt Am Hof.jpg

Weihnachtsmarkt Am Hof

Der Christkindlmarkt ist ein in der Vorweihnachtszeit abgehaltener Budenmarkt. Vor der Einführung des Christbaums wurde er in Wien meist als Krippenmarkt bezeichnet. Als letzter Rest der alten Jahrmarktrechte reicht seine Tradition weit in die Stadtgeschichte zurück; diese Rechte waren den Wienern in den Stadtrechten von 1296 und 1396 eingeräumt worden und fanden noch in die Privilegsbestätigung von 1792 Aufnahme.

Im mittelalterlichen Wien lassen sich allerdings noch keine eigentlichen Weihnachtsmärkte nachweisen. Die städtischen Abrechnungen dieser Zeit nennen keine Einnahmen oder Ausgaben in diesem Zusammenhang. Erst für die frühe Neuzeit mehren sich die Hinweise auf einen speziellen Markt in der Weihnachtszeit.

Aufzeichnungen aus dem Jahr 1600 zeigen, dass am Graben und auf der Brandstätte, also im Bereich vor Sankt Stephan, Hütten am 9. Jänner abgebaut und am 16. und 17. Dezember wieder aufgestellt wurden. Dieser Markt trug den Namen Thomasmarkt. In den Verkaufsständen boten Peckn, Lebzelter und Zuggerpacher ihre Waren an. Im Bereich von Graben und Stephansplatz blieb dieser Markt bis 1761 in der Weihnachtszeit bestehen, ehe er aufgelassen wurde.[1]

Vom Krippenmarkt zum Christkindlmarkt

1722 wird erstmals ein auf der Freyung abgehaltener Nikolo-, Weihnachts- und Krippenmarkt erwähnt. Damals umfasste er 108 Stände. Da auf der Freyung zugleich ein regulärer Markt stattfand, kam es immer wieder zu Spannungen zwischen den Standlerinnen und Standlern der beiden Märkte.[2][3]

1842 wurde der Markt deshalb probeweise auf den Platz Am Hof verlegt. Schon 1843 erfolgte die dauerhafte Übersiedlung. Von nun an wurden jeweils am 5. Dezember die 132 Krippenmarktstände aufgebaut; sie blieben bis zum Neujahrstag stehen. Bildliche Darstellungen und literarische Schilderungen des 19. Jahrhunderts vermitteln einen guten Eindruck von diesem Markt, der nun zunehmend als Christkindlmarkt bezeichnet wurde.

Als der Wiener Gemeinderat 1872 die alten Wiener Jahrmärkte aufhob, galt der Christkindlmarkt als einzige Ausnahme. In den Augen der Zeitgenossen mochten die traditionellen Jahrmärkte in einer modernen Großstadt überholt erscheinen – der Christkindlmarkt aber blieb bestehen und wurde damit endgültig zu einem besonderen Bestandteil der Wiener Adventzeit.[4]

Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts

1903 wurden die Standbauten erneuert und erstmals elektrisch beleuchtet. Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs war der Markt sehr beliebt; alljährlich kam es kurz vor Weihnachten zu dichtem Gedränge rund um die Buden. 1918 wurde der Christkindlmarkt auf den Stephansplatz verlegt.

In der Zwischenkriegszeit und während des Zweiten Weltkriegs wechselte der Markt mehrfach den Standort. 1923 kehrte er auf die Freyung zurück, von 1924 bis 1928 lag er wieder auf dem Stephansplatz rund um den Dom. 1929 wurde er auf den Neubaugürtel oberhalb des Hesserdenkmals verlegt; die Zahl der Marktstände stieg damals auf 150. 1939 übersiedelte der Markt auf den Platz Am Hof, 1943 wurde er nochmals auf dem Stephansplatz abgehalten.[5]

1945 bis heute

Nach der kriegsbedingten Unterbrechung fand der Christkindlmarkt 1946 erstmals wieder auf dem Platz vor dem Messepalast statt. 1947 und 1948 wurde er sogar im Gebäude selbst abgehalten. Es folgte erneut eine Reihe von Ortswechseln: von 1949 bis 1957 an den inneren Neubaugürtel, von 1958 bis 1962 wieder vor den Messepalast, 1963 in die Kalvarienberggasse und ab 1967 zwischen Mariahilfer Straße und Burggasse vor den Messepalast, wo er als Ladenstraße entlang der Fassade weniger stark mit dem Straßenverkehr kollidierte.[6]

1975 erhielt der Christkindlmarkt schließlich seine bis heute prägende Heimstätte vor dem Rathaus. Ursprünglich war dieser Standort nur als Provisorium während des Baus der Tiefgarage vor dem Messepalast gedacht. Doch die Lösung wurde allgemein so gut angenommen, dass daraus ein dauerhafter Standort wurde.[7]

Christkindlmarkt am Rathausplatz

Vor dem Rathausturm bildet seither der große Wiener Christbaum den Mittelpunkt des Markts. Der Baum steht zwar schon seit 1959 alljährlich vor dem Rathaus, doch seit 1975 ist er fest mit dem Christkindlmarkt am Rathausplatz verbunden. Meist handelt es sich um eine rund 30 Meter hohe Fichte, die jedes Jahr von einem anderen österreichischen Bundesland gespendet wird.[8]

1986 wurde der Markt erweitert und stärker weihnachtlich ausgerichtet. Viele weihnachtsfremde Branchen verschwanden, der Rathauspark wurde in die Gestaltung einbezogen, beleuchtete Eingangsportale wurden errichtet und die Parkwege festlich illuminiert. Unter dem Namen Wiener Adventzauber gewann der Christkindlmarkt damals jene Form, die das Bild des Wiener Weihnachtsmarkts bis heute prägt.

Weitere Christkindlmärkte

Seit den 1980er Jahren entstanden in Wien auch an anderen Orten kleinere Christkindl- und Weihnachtsmärkte. Seit 1984 gibt es den Floridsdorfer Christkindlmarkt, seit 1987 den Alt-Wiener Weihnachtsmarkt, der zunächst am Michaelerplatz und seit 1989 auf der Freyung abgehalten wird. Ebenfalls seit 1989 besteht ein Weihnachtsmarkt im Alten Allgemeinen Krankenhaus. Dazu kamen in den folgenden Jahren weitere kleinere Märkte, etwa vor dem Liesinger Bahnhof.[9]

Damit wurde aus dem einst einzigen Wiener Christkindlmarkt ein ganzes Netz von Adventmärkten. Dennoch bleibt der Markt vor dem Rathaus der bekannteste und symbolträchtigste Ort der Wiener Vorweihnachtszeit – ein Markt, in dem mittelalterliche Marktrechte, städtische Erinnerung und modernes Adventserlebnis bis heute zusammenfließen.


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Quellen