Die Boier in Wien

Aus City ABC

Geschichte Wiens
Boier in Wien
Die Boier in Wien – das ist die Story der keltischen Boii, die im Osten Österreichs und rund um den Wiener Raum Handel knüpften, Eisen formten und Spuren hinterließen, bevor Rom das Kommando übernahm. Kurzum: Bevor Vindobona römisch wurde, war die Landschaft boisch geprägt.


Kurzüberblick

Wann? Wer? Worum geht’s?
Späteisenzeit (La Tène), ca. 4.–1. Jh. v. Chr. Keltischer Stamm der Boier (Boii) Siedlungen & Werkplätze im Wiener Raum; nächstgelegenes Zentrum im Weinviertel (Sandberg/Roseldorf); Fernhandel an der Donau; Rückzug vor römischer Expansion

Wie „boisch“ war Wien?

Die Terrassen am Rand des Wienerwaldes, die trockenen Kanten über den Donauauen und die Wege durchs Marchfeld boten ideale Lagen für Höfe und Werkplätze. Ein großes, gesichertes Oppidum direkt im Stadtgebiet ist nicht belegt – aber die Region lag im Siedlungs- und Einflussgebiet der Boier. Dicht nachweisbar sind boische Plätze nördlich von Wien: allen voran die Zentralsiedlung Sandberg/Roseldorf (Weinviertel), heute ein Schlüsselort der keltischen Forschung mit Heiligtümern, Münzprägung und reicher Sachkultur.

Alltag & Netzwerk

  • Eisen & Handwerk: Schlacke, Amboss, Fibeln – Metall war Statement und Wirtschaftsmotor.
  • Donau als Lebensader: Salz, Metall, Bernstein, Wein – und Ideen. Wien lag am Knoten, nicht am Rand.
  • Kult & Orte: Quadratische Grabenheiligtümer (im Roseldorf-Komplex mehrfach belegt) zeigen Rituale und Gemeinschaft.

Rückzug & Übergang zu Rom

Im 1. Jh. v. Chr. geraten Boier in Mitteleuropa zwischen die Fronten: Dakerherrscher Burebista expandiert, Cäsars Feldzüge erschüttern keltische Bündnisse – und die Römer sichern bald die Donaugrenze. Aus dem keltischen Namen Vindobona wird der römische Standort: das Lager von Vindobona entsteht.

Mythentrennung (kurz & freundlich)

Behauptung Was stimmt?
„Die Boier haben Wien gegründet.“ Nicht wörtlich. Der Platz war keltisch geprägt und besiedelt, aber das römische Lager Vindobona formt die „Stadtwerdung“ – mit keltischer Vorgeschichte.
„Boier = nur Böhmen.“ Der Name lebt in „Böhmen“ (Boiohaemum) weiter – doch die Boier sind auch im Donauraum/Pannonien belegt, also in und um den Wiener Raum.

Mini-Zeitleiste

Zeit Weltweit zeitgleich im Wiener Raum
ca. 400–100 v. Chr. Mittlere/Späte Latène Boische Siedlungslandschaft, Handwerk & Handel; Heiligtümer im Weinviertel
60er v. Chr. Dakerreich unter Burebista expandiert Druck auf Boier/Taurisker im Ostalpenraum
58 v. Chr. Cäsar besiegt Helvetier (mit Boierkontingent) Instabile keltische Bündnisse, Umschichtungen im Donauraum
ab 15 v. Chr. Römische Expansion an der Donau Beginn von Vindobona entsteht – keltische Namen leben fort (Vindobona)

Fundgeschichte

Um 100 vor Christus siedeln sich die Boier, ein keltischer Stamm, an. Am Leopoldsberg und am Bisamberg entstehen Stadtburgen, die die umliegenden Dörfer beherrschen.

  • Boische Goldmünze: Eine Goldmünze vom Typ eines Drittelstaters wurde 1890 in der Stolzenthalergasse (8. Bezirk) gefunden. [1]
  • Boische Keramik: Keramikfragmente, die auf eine Siedlung der Boier schließen lassen, wurden im 3. Bezirk, beispielsweise in der Ungargasse, im Bereich der Landstraßer Hauptstraße, und bei Ausgrabung im Garten der Rudolfstiftung gefunden. [2]

Galerie



Quellen