Schlangen in Wien
Welche Schlangen es in Wien gibt
Die heimischen Schlangen in Wien sind:
- Ringelnatter
- Schlingnatter
- Würfelnatter
- Äskulapnatter
Alle vier Arten sind ungiftig. Sie unterscheiden sich in Lebensraum, Nahrung und Aussehen, teilen aber einen ähnlichen Bauplan: schlanker Körper, runder Kopf mit runden Pupillen, glatte oder leicht gekielte Schuppen und eine Zunge, die zum „Züngeln“ regelmäßig ausgestreckt wird.[3]
Die Blindschleiche, die in Wien häufig beobachtet wird, ist keine Schlange, sondern eine beinlose Echse. Sie hat sehr glatte, glänzende Schuppen und einen Kopf, der nicht deutlich vom Körper abgesetzt ist.[4]
Lebensräume in der Stadt
Schlangen sind wärmeliebende Tiere. In Wien bewohnen sie sonnige Böschungen, Waldränder, Weinrieden, Auwälder, Uferbereiche, Brachen, Friedhofsflächen und naturnahe Gärten. Die Stadt Wien beschreibt diese Lebensräume als „warme, nicht zu trockene“ Bereiche mit Verstecken und strukturreicher Vegetation.[5]
Die Ringelnatter ist meist an Gewässer gebunden: Sie lebt an Teichen, Altarmen, Tümpeln, Gräben und in den Auen der Donau. Dort jagt sie Amphibien und Fische. Die Würfelnatter bewohnt ähnliche Lebensräume, ist aber stärker an Fließgewässer gebunden und gilt österreichweit als eine der am stärksten gefährdeten Reptilienarten.[6]
Die Schlingnatter bevorzugt trocken-warme, strukturreiche Flächen wie Trockenrasen, Böschungen, aufgegebene Weinrieden oder Waldränder. Sie lebt sehr versteckt und wird entsprechend selten gesehen. Die Äskulapnatter, größte heimische Schlange Österreichs, erreicht in Wien und Umgebung Längen von bis zu 1,8 Metern. Sie bewohnt wärmebegünstigte Waldränder, Auwälder, Bahndämme, Gärten und Uferbereiche und ist eine ausgezeichnete Kletterin.[7][8]
Begegnungen im Alltag
Begegnungen mit Schlangen in Wien häufen sich vor allem im Frühling und Sommer. Wenn die Tiere aus der Winterruhe kommen, nutzen sie warme Plätze zum Sonnen: Böschungen, Lesesteinhaufen, Mauerkronen, Holzlager, Komposthaufen oder Steinstufen. In Gärten, Kleingartenanlagen, am Stadtrand und im Wienerwald lassen sie sich dann gelegentlich blicken.[9]
Medienberichte sprechen von einem „Sommer-Phänomen Schlangen in der Stadt“, wenn in warmen Jahren besonders viele Tiere gesichtet werden. Fachleute betonen immer wieder, dass es sich dabei in Wien fast ausschließlich um heimische, ungiftige Schlangen handelt, die für Menschen harmlos sind und vor allem vor uns Angst haben, nicht umgekehrt.[10][11]
Auch in den Auen und am Wasser tauchen Schlangen im Alltag auf: Ringel- oder Würfelnattern, die im Wasser schwimmen, am Ufer sonnen oder in der Nähe von Stegen, Schilfkanten und Uferbefestigungen auftauchen. Sie nutzen dabei dieselben Uferzonen wie Amphibien in Wien und Wasservögel in Wien.
Was tun, wenn ich eine Schlange sehe?
Die Stadt Wien rät zu Ruhe und Abstand. Wer eine Schlange sieht, sollte:
- ruhig bleiben und das Tier nicht bedrängen
- mehrere Meter Abstand halten und es nicht in die Enge treiben
- Haustiere an die Leine nehmen oder kurz festhalten
- das Tier nicht anfassen oder einfangen
- Kindern erklären, dass heimische Schlangen harmlos, aber keine Spieltiere sind
Schlangen ziehen sich normalerweise zurück, wenn Menschen zu nahe kommen. Wer unsicher ist, kann ein Foto aus der Distanz machen und sich an die Umweltschutzabteilung oder Expert:innen wenden. Bei Verdacht auf eine exotische oder ausgesetzte Schlange – etwa in Gebäuden, Toiletten oder Kellern – können Tierschutzorganisationen wie Tierschutz Austria oder die Tierrettung um Hilfe gebeten werden.[12]
Die Wiener Umweltanwaltschaft erinnert daran, dass alle heimischen Schlangen in Wien ungiftig sind. In sozialen Medien und Informationsmaterialien weist sie regelmäßig darauf hin, Panik zu vermeiden, Schlangen nicht zu töten und bei Unsicherheit Fachleute zu kontaktieren.[13][14]
Schutzstatus und Gefährdungen
Wie alle Reptilien sind auch die Schlangen in Wien nach dem Wiener Naturschutzgesetz streng geschützt. Es ist verboten, sie zu fangen, zu töten oder zu verletzen, sie absichtlich zu stören – insbesondere während Fortpflanzungs-, Überwinterungs- und Wanderzeiten – oder ihre Lebensräume und Verstecke zu zerstören. Gleiches gilt für Eier und Jungtiere.[15]
Die größten Gefährdungen sind:
- Verlust und Zerschneidung von Lebensräumen durch Straßenbau, Bebauung, intensive Bewirtschaftung und Uferverbauungen
- Entfernung von Brachen, Hecken, Lesesteinhaufen und Kleinstrukturen, die als Sonnenplatz und Versteck dienen
- Verkehrsunfälle, insbesondere an Straßen, die Wanderwege zwischen Sommer- und Winterlebensräumen schneiden
- Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln, die Nahrungstiere dezimieren und über die Nahrungskette auf Schlangen wirken
- freilaufende Hauskatzen und ungesicherte Schächte, Pools oder Lichtschächte, in denen Tiere verenden können
Die Stadt Wien schützt und fördert Schlangenlebensräume im Rahmen des Arten- und Lebensraumschutzprogramms Netzwerk Natur. Projekte umfassen die Anlage von Lesesteinhaufen, die Sicherung von Trockenrasenflächen und Weinrieden, die naturnahe Gestaltung von Ufern und die Beratung von Grundeigentümer:innen.[16][17]
Schlangen, Stadtökologie und Stadtnatur
Schlangen gehören zur und sind eng mit Stadtökologie in Wien verbunden. Sie sind Indikatoren für funktionierende Übergangszonen – also jene Bereiche, in denen Wald, Wiese, Weinberg, Ufer, Bahntrasse und Siedlung aufeinandertreffen. Wo strukturreiche Böschungen, Brachen, Hecken, Lesesteinhaufen, Teiche und naturnahe Ufer vorhanden sind, finden Schlangen Nahrung, Verstecke und Überwinterungsplätze.
Klimawandelanpassung in Wien, etwa durch Entsiegelung, neue Grünstrukturen, Schwammstadt-Prinzip und naturnahe Gewässergestaltung, kann auch Schlangen helfen, indem sie ihre Lebensräume vernetzt und stabiler macht; vgl. Klimawandelanpassung in Wien. Gleichzeitig zeigen Diskussionen in Medien, dass Angst und Unwissen rund um Schlangen nach wie vor verbreitet sind. Informationsangebote von Stadt, Umweltanwaltschaft und Naturmuseen sollen daher helfen, Vorurteile abzubauen und die vier heimischen Nattern als das zu sehen, was sie sind: scheue, nützliche und streng geschützte Mitbewohnerinnen der Stadt.
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Quellen
- ↑ Stadt Wien: „Wiens Schlangen – streng geschützt und ungiftig!“, Presseinformation mit Angabe von vier heimischen Schlangenarten in Wien, 21. August 2021, presse.wien.gv.at.
- ↑ Stadt Wien: Informationsseite „Schlangen in der Stadt“, Beschreibung der vier Natternarten und ihres Schutzstatus, wien.gv.at/umwelt/schlangen.
- ↑ Wiener Umweltanwaltschaft: „Wiener Schlangen: schüchtern, schön und ungefährlich“, Beschreibung der vier Natternarten in Wien, wua-wien.at.
- ↑ Wiener Umweltanwaltschaft: „Wiener Schlangen: schüchtern, schön und ungefährlich“, Hinweis, dass Blindschleichen keine Schlangen sind, wua-wien.at.
- ↑ Stadt Wien: „Schlangen in der Stadt“, Abschnitte zu typischen Lebensräumen der Wiener Schlangen, wien.gv.at/umwelt/schlangen.
- ↑ Stadt Wien: Presseinformation „In Wien schlängelt und züngelt es!“, Beschreibung von Ringel- und Würfelnatter und Hinweis auf die starke Gefährdung der Würfelnatter, 25. Mai 2022, presse.wien.gv.at.
- ↑ Stadt Wien: „In Wien schlängelt und züngelt es!“, Angaben zu Länge und Lebensraum der Äskulapnatter und Schlingnatter, presse.wien.gv.at.
- ↑ Tiere im Wienerwald: Abschnitt Reptilien – Äskulapnatter, Ringelnatter und Schlingnatter als typische Schlangen des Wienerwalds, wikipedia.org.
- ↑ Stadt Wien: „Schlangen in der Stadt“, Beschreibung typischer Begegnungssituationen im Frühling und Sommer, wien.gv.at/umwelt/schlangen.
- ↑ Kurier: „Sommer-Phänomen 2023: Schlangen in der Stadt“, Schwerpunkt auf Ringel- und Äskulapnattern sowie heimischen Nattern im Osten Österreichs, 28. Juni 2023.
- ↑ MeinBezirk: „Wiens Schlangen sind streng geschützt, aber ungiftig“, mit Hinweisen zur Harmlosigkeit der vier heimischen Natternarten, 23. August 2021.
- ↑ Kurier: „Schlange in Toilette von Wiener Hotel entdeckt“, Hinweise von Tierschutz Austria zum Umgang mit Schlangen in Gebäuden, 2. November 2023.
- ↑ Wiener Umweltanwaltschaft: Beitrag „Wiener Schlangen: schüchtern, schön und ungefährlich“, wua-wien.at.
- ↑ Stadt Wien – Umweltschutz: Facebook-Beiträge zum Welttag der Schlange mit Hinweis, dass alle Wiener Schlangen ungiftig sind, 2021, facebook.com/WienerUmweltschutz.
- ↑ Stadt Wien – Umweltschutz: „Reptilien in Wien. Ein Leitfaden“, Kapitel „Gesetzlicher Schutz“, wien.gv.at/umweltschutz/pdf/reptilien.pdf.
- ↑ Stadt Wien: Presseinformation „MA 22: Schlangen in Wien – anmutige Stadtbewohnerinnen unter strengem Schutz“, Beschreibung des Programms Netzwerk Natur und von Schutzmaßnahmen, 20. Juli 2015.
- ↑ Stadt Wien – Umweltschutz: „Reptilien in Wien. Ein Leitfaden“, Projektkapitel zu Maßnahmen für Schlangenlebensräume, wien.gv.at/umweltschutz/pdf/reptilien.pdf.